Berichterstattung einiger internationalistischer GenossInnen aus Karacok vom 26. April aus Rojava.

Der nachfolgende Bericht erschien zuerst auf der Seite „Solidarität mit den internationalistisch Kämpfenden

„Es ist genau 2 Uhr nachts in Karacok. Die erste Explosion ist zu hören. Wir wachen sofort auf und verstehen nicht ganz was gerade geschieht. Nach wenigen Minuten fällt eine weitere Bombe, wieder auf Karacok. Der Angriff gilt dem Hauptquartier der YPG. Nach wenigen Minuten haben wir ein genaueres Bild der Situation. Wir werden aus der Luft angegriffen. Schnell verlassen wir unseren Stützpunkt und verteilen uns. Die Flugzeuge kreisen weiterhin über Karacok und werfen Bomben ab. Auch die Region Shengal, nur wenige Kilometer entfernt, ist davon betroffen.

Die sternenreiche Leermondnacht ist erhellt durch die türkischen Bomben. Das Brummen der Flugzeuge ist für Stunden zu hören. Sichtbar sind nur die Drohnen, die uns bewachen und ausspionieren. Drei Stunden und 26 Bomben später, nur in Karacok – in Shengal fielen weitere Bomben – beruhigt sich die Situation. Unsere Basis wurde nicht getroffen, leider hatten die anderen umliegenden Stützpunkte weniger Glück.

Wir hören erste Berichte über Schäden und leider auch über gefallene GenossInnen. Wir sind überrascht und wütend über die Geschehnisse von heute Nacht. Es war ein Angriff ins Herz der demokratischen Konföderation Nordsyriens, bekannt als „Rojava“. Eine Kriegserklärung gegen die Revolution der konföderierten Völker Nordsyriens und gegen die Autonomie Shengals. Aus Karacok erreichen uns offizielle Nachrichten der YPG, sie sprechen von 18 getöteten KämpferInnen. Aus der Region Shengal erreichen uns nur vage Nachrichten über Tote und Verletzte der YBS und Zivilisten.

Viele GenossInnen gibt es nun nicht mehr oder sie sind verletzt.
Nach wenigen Stunden erfahren wir, dass außer den militärischen Stützpunkten der YPG und YBS auch zwei Radiostationen, eine in Karacok, die andere in Shengal, und das Medienzentrum in Derik getroffen wurden. Es fliegen Tag und Nacht Flugzeuge über Quamishlo. Sie versuchen vermutlich die Bevölkerung einzuschüchtern. Das Gegenteil geschieht. In den frühen Morgenstunden sind tausende Personen auf die Straße gegangen und haben die bombardierten Orte und Stellungen besucht. Die Solidarität ist groß und alle bekunden ihre Wut und Abscheu gegen diesen hinterhältigen Angriff.

Die Zukunft ist von nun an ungewiss, und wir behalten uns vor, keine Analysen oder Einschätzungen zu machen. Eines ist sicher: Ihr könnt uns töten, bombardieren und verletzten. Aber ihr werdet niemals unsere Idee und unsere Werte töten können. Wir werden immer die Ideen und Werte vorantreiben, für die heute unsere GenossInnen gefallen sind.

Sheid Namirin, Serkeftin.

Gez. Einige InternationalistInnen der YPG“