Ein 20-Jähriger verletzt sich bei einer Sprengstoffexplosion lebensgefährlich. Die Polizei entdeckt ein geheimes Sprengstofflabor, aber Anzeichen zu einem geplanten Einsatz des Sprengstoffs soll es nicht geben.

Am letzten Samstag, 22.04., verletzte sich im thüringischen Großbartloff ein 20jähriger Mann schwer. Die ÄrtztInnen einer Kasseler Klinik stellten daraufhin hin fest, dass die Verletzungen des jungen Mannes durch eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt wurden. Bei einer Untersuchung des Unfallortes, dem elterlichen Grundstück des Verletzten, fand die Polizei ein Sprengstofflager und Laborausrüstung.

In der Wohnung des 20-Jährigen, im nahegelegenen Heiligenstadt, fand die Polizei am Montag ebenfalls Sprengstoff. Dieser wurde von einem Spezialteam des Landeskriminalamts (LKA) aus dem zuvor evakuierten Haus entfernt und außerhalb der Stadt gezielt gesprengt.

Obwohl der Verletzte weiterhin nicht vernehmungsfähig ist und die Laboruntersuchungen noch anhalten, wurde seitens der Polizei ziemlich schnell das Profil eines Hobby-Chemikers gezeichnet. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Heiligenstädter den Sprengstoff auch hätte einsetzen wollen, so die Pressestelle der Polizei.

Am späten Nachmittag des 24.04. wurde jedoch bekannt, dass der junge Mann auf Facebook mehrere faschistische und rechte Gruppen wie die NPD und AfD „geliked“ hatte. Tatsächlich hat das knapp 17.000 EinwohnerInnen zählende Heiligenstadt (Landkreis Eichsfeld) seit geraumer Zeit ein Problem mit rechter Gewalt. So mobilisierte die regionale NPD 2015 verstärkt gegen eine Unterkunft für Geflüchtete. Dabei waren vermehrt AntifaschistInnen von bewaffneten Faschisten angegriffen worden. Im Jahr 2016 wurde das örtliche Parteibüro der Partei „Die Linke“ attackiert. Ebenfalls 2016 wurde ein Brandanschlag auf die Wohnung eines Algeriers verübt und ein Hakenkreuz an dessen Tür hinterlassen. Zudem gibt es Vorwürfe gegen den Eichsfelder Polizeichef, dass er gegenüber rechten Aktivitäten blind sei, dafür umso härter gegen antifaschistischen Protest vorgehe.