Du bist seit Monaten auf der Wohnungssuche? Du zahlst 400€ für ein winziges WG-Zimmer? Als alleinerziehende Mutter will dir niemand eine Wohnung vermieten? Wegen einem negativen Schufa-Eintrag findest du keine Wohnung? Du verlierst deine Wohnung, weil du die Mieterhöhung, die Strom- und die Nebenkosten-Nachzahlung nicht bezahlen kannst?

Die oben beschriebenen Situationen sind Alltag für Millionen Menschen in Deutschland. Seit Jahren schießen die Mieten und Nebenkosten immer weiter in die Höhe. Es ist heute, vor allem in deutschen Großstädten keine Seltenheit, dass bis zu 50% des Einkommens für Miete und Nebenkosten drauf gehen. Die Mieten steigen immer weiter. In Städten wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Köln ist es für Normal- oder Geringverdiener kaum mehr möglich eine bezahlbare Wohnung zu finden. Doch auch in Stuttgart, Freiburg und Düsseldorf verschlechtert sich die Wohnsituation zunehmend. Menschen, welche auf Sozialleistungen angewiesen sind, müssen bei den viel zu niedrig angesetzten Höchstsätzen für Mieten, oftmals Teile der Miete trotz Arbeitslosigkeit, Alter oder Krankheit irgendwie selber aufbringen.

Vergleicht man die Entwicklung der Löhne in Deutschland mit der Preissteigerung von Waren und Dienstleistungen, so stellt man in fast allen Arbeitsbereichen eine deutlich sinkendes Einkommen fest. So können sich viele Arbeiter und Angestellte trotz minimaler Gehaltserhöhungen heute deutlich weniger von ihrem Gehalt leisten. Parallel dazu steigen die Mietpreise jedoch dramatisch an. Allein in zwischen den Jahren 2007 und 2012 stiegen die Mietpreise zum Beispiel in Berlin um 26%, in Hamburg um 22% und im Freiburg um 14% an. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen.

Mit den steigenden Mieten nehmen auch die Fälle zu, in denen Menschen ihre Miete nicht mehr zahlen können. Es folgt die Kündigung und in letzter Konsequenz die Zwangsräumung. Zwangsräumungen haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Offizielle Zahlen dazu gibt die Bundesregierung nicht heraus. Mit steigenden Mieten und Zwangsräumungen steigt die Zahl der Menschen, welche in Deutschland ohne Wohnung leben müssen. Allein in den Jahren 2012-2014 stieg die Zahl der Wohnungslosen um 18% und somit auf 335.000 an. Heute geht die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe von rund 400.000 und bis zum Jahr 2018 von 536.000 Wohnungslosen aus. Ein dramatischer Anstieg: Sollte dazu noch eine Wirtschaftskrise kommen, so dürften sich diese Zahlen schnell vervielfachen.

Gleichzeitig stehen in Deutschland mehr als zwei Millionen Wohnungen leer und werden nicht genutzt. Das entspricht einem Leerstand von über 5% aller Wohnungen. Der Leerstand betrifft vor allem ländliche Regionen im Ruhrgebiet, in Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen. Viele Menschen ziehen aus diesen Regionen in die Großstädte um dort eine Arbeit zu finden. Mit dieser Bevölkerungsentwicklung, fallen oft auch zentrale Infrastruktur wie Ärzte, Pflegekräfte, kulturelle und sportliche Einrichtungen weg.

Doch woher kommen dann diese unbezahlbaren Mieten? Menschen können auf viele Sachen verzichten, wenn sie sich Dinge nicht leisten können, aber nicht auf Wohnungen. Damit spielen Banken und andere Investoren und treiben die Immobilienpreise durch An- und Verkauf und angebliche „Modernisierungsmaßnahmen“ unbegrenzt in die Höhe. In den letzten Jahrzehnten hat der Staat zudem 100.000de Wohnungen privatisiert, mit denen Privatfirmen nun unbegrenzten Profit machen.

Wohnraum darf nicht als Ware gehandelt werden, mit der sich Immobilienfirmen, Banken und Investoren unbegrenzt Geld in die eigene Tasche schaufeln. Es gibt genug Wohnraum für alle, dieser muss jedoch auch bezahlbar sein. Um diese Forderung durchzusetzen schließen sich immer mehr Menschen in Initiativen gegen Zwangsräumungen und „Wohnraum für alle“ zusammen. Menschen schließen sich in ihren Häusern, Vierteln und Städten zusammen und es kommt zu immer größeren Protesten gegen zu hohe Mieten und Zwangsräumungen. So konnten bereits einige Zwangsräumungen verhindert werden. Die Erfolge dieser Initiativen machen Mut für eine breite Organisierung in mehr und mehr Städten in Deutschland.