Beim „Seidenstraßen-Gipfel“ in Peking haben Vertreter aus mehr als 100 Ländern über die Initiative Chinas zur Schaffung eines neuen Wirtschaftsraums zwischen Asien, Europa und Afrika beraten.

Zu den 30 teilnehmenden Staats- und Regierungschefs zählten die Präsidenten der Türkei und Russlands, Erdogan und Putin, sowie der griechische Premierminister Tsipras, der um chinesische Investitionen in seinem Land warb. Deutschland hatte Wirtschaftsministerin Zypries entsandt, die USA lediglich einen „Vertreter auf Arbeitsebene“.

China wolle mit seiner Seidenstraßen-Initiative „eine neue Form der Globalisierung“ vorantreiben, berichtet das Handelsblatt. Das Vorgehen ist jedoch sehr klassisch, wenn auch nicht minder gewaltig: Das Projekt beinhalte den Bau von Straßen, Hochgeschwindigkeitszugstrecken und Häfen in ganz Eurasien. Das Land plane demnach Investitionen im Gesamtvolumen von umgerechnet über 70 Milliarden Euro. Dieser Einsatz dürfte sich für die Stellung Chinas als kapitalistischer Wirtschaftsmacht auf dem Großkontinent beträchlich lohnen: „Die Größe der Initiative könnte die Rolle der G7 oder der G20 in den Schatten stellen“, zitiert Deutschlands führende Wirtschaftszeitung Rajiv Biswas, den „Chief Economist“ vom Analysehaus „IHS“.

Darüber hinaus geht es um geostrategische Interessen: Die Aussicht, dass der eurasische Raum ganz oder teilweise unter die Kontrolle einer konkurrierenden Weltmacht wie China fallen könnte, ist schon seit längerem der Albtraum US-amerikanischer Außenpolitiker, die um ihre Vormachtstellung in der Welt fürchten. Eine von China kontrollierte Handels- und Transport-Infrastruktur läse sich vor diesem Hintergrund wie ein Super-GAU für Amerika.

Doch auch die Großmacht Europa scheint skeptisch gegenüber dem chinesischen Großmachtstreben zu sein: In Peking haben die Vertreter der EU ihre Zustimmung zur Handelserklärung des Gipfels verweigert. China sei schließlich „auf keinen der europäischen Vorschläge eingegangen“.