Ivanka Trump bezeichnet sich auf dem G20- Gipfel für Frauen als „Feministin“. Die Rapperin Sookee schreibt in einem Essay zum diesjährigen 8. März, dem internationalen Frauenkampftag, „Feminismus feiert Hochkonjunktur“. Befindet sich der Feminismus tatsächlich auf dem Vormarsch? Was ist denn dieser sogenannte „Feminismus“ überhaupt? Und: Führt er zur Befreiung der Frau?

In den letzten Jahren tauchte der Begriff „Feminismus“ immer wieder auf. Bekannte Schauspielerinnen und Sängerinnen, wie beispielsweise Emma Watson oder Beyoncé, bezeichneten sich als Feministinnen. H&M verkauft T-Shirts mit den Aufdrucken „Feminist“ und „GRL PWR“. In Zeitungen und auf unzähligen Blogs erschienen Artikel, die sich mit Feminismus oder frauenpolitischen Themen beschäftigten. Man könnte wirklich meinen, Feminismus sei Mainstream geworden.

Aber was beinhaltet denn heute dieser „Feminismus“ überhaupt?

Feminismus bezeichnet eine Bewegung, die für die Gleichberechtigung von Frauen und gegen ihre Diskriminierung eintritt, bzw. die Forderung nach geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung aufstellt. Es gibt sehr viele verschiedene Nuancen innerhalb der feministischen Bewegung. Manche dieser Richtungen lassen sich vielleicht überhaupt nicht unter diese Definition fassen.

Die meisten der Strömungen eint aber, dass sie die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Geschlechter durch Reformen erreichen wollen. Die feministische Bewegung hat so durch ihre Kämpfe in der Vergangenheit viele Verbesserungen für die Lage von Frauen gebracht. Zum Beispiel wurde 1974 die Straffreiheit für Schwangerschaftsabbrüche erreicht.

Wenn man heute behauptet, dass Feminismus Hochkonjunktur feiere, lässt man allerdings außer Acht, dass in vielen Ländern faschistische Parteien an Zulauf gewinnen oder gar die Regierung stellen. Auch hier in Deutschland erleben wir seit einigen Jahren das Erstarken der Rechten. Faschisten sind nun aber alles andere als FeministInnen. Sie vertreten ein konservatives Familienbild, das Frauen zurück an den Herd verbannen soll. Sie halten von der Selbstbestimmung der Frauen überhaupt nichts und fordern nicht selten ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Oder sie legitimieren sexualisierte Übergriffe. Wie Donald Trump, der meint, allein durch seine Berühmtheit jede Frau einfach „begrapschen“ zu dürfen. Wenn Faschisten dann doch mal für die Rechte von Frauen eintreten, dann oft nur, um gegen MigrantInnen und Geflüchtete zu hetzen. Mainstream ist Feminismus also ganz und gar nicht.

Sehen wir nun aber einmal darüber hinweg, dass Feminismus nicht in allen Teilen der Gesellschaft stark verbreitet ist, und betrachten wir den Feminismus etwas genauer, von dem man in den letzten Jahren so viel gehört hat:

Ein sehr gutes Beispiel ereignete sich Ende des letzten Monats. Am 25. und 26. April fand in Berlin der G20-Gipfel für Frauen statt. Bis zu diesem Jahr hatte kaum jemand davon gehört. Doch dieses Jahr erregte der Gipfel Einiges an Aufsehen. Verantwortlich dafür war die Teilnahme Ivanka Trumps, der Tochter des Präsidenten der USA. Also gerade die Tochter des Mannes, der sich immer wieder mit sexistischen Sprüchen unbeliebt gemacht hat. Dass Ivanka Trump sich dann auch noch offen als Feministin bezeichnete, sorgte für sehr viel Unmut in feministischen Kreisen.

Mal abgesehen davon, wie sie sich selbst charakterisiert, was können wir von einer Frau halten, die Unternehmerin, also Kapitalistin ist, deren Modelinie in chinesischen Fabriken produziert wird und in denen die ArbeiterInnen, zumeist Frauen, für eine 60-Stunden-Woche gerade einmal 60$ bekommen? Es geht hier nicht darum, dass Ivanka Trump ein besonders schlechter Mensch sei. Denn auch andere Marken lassen in den selben Fabriken produzieren wie sie. Und auch, wenn die ArbeiterInnen besser bezahlt würden oder weniger arbeiten müssten, änderte das jedoch grundsätzlich nichts daran, dass diese Frauen dafür arbeiten, dass die Trumps, Hilfigers oder wie sie auch immer heißen, immer reicher werden. Es geht eben darum, dass Ivanka Trump Tochter ihrer Klasse ist. Und diese Klasse, die Kapitalistenklasse, ist nicht die unsere! Sie wird also, egal wie oft sie sich als Feministin bezeichnet, niemals unsere, die Interessen der abhängig Beschäftigten und der ArbeiterInnenklasse, vertreten.

Mit dem Rest des G20-Frauengipfel verhält es sich nicht anders. Sie alle sind Unternehmerinnen, Wirtschaftsexpertinnen usw. Auch wenn man sich die Themen anguckt, die diskutiert wurden, merkt man schnell, worum es eigentlich geht. „Zu den Themen der W20 gehören u.a. […] Frauen in Führungspositionen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, […] weibliches Unternehmertum oder Zugang zum Kapitalmarkt […]“, heißt es auf der offiziellen Homepage des Gipfels. Es geht also darum, dass die Frauen der Kapitalistenklasse ein noch größeres Stück vom Kuchen abbekommen, als das bisherige. Aber was nutzt uns „normalen“ Frauen das? Wir Frauen aus der ArbeiterInnenklasse haben davon gar nichts, außer, dass wir vielleicht bald statt einem Chef eine Chefin über uns haben. Wir werden nach wie vor dazu gezwungen sein, unsere Arbeitskraft zu verkaufen, die Hauptlast von Erziehung und Haushalt tragen zu müssen usw. Vielleicht werden bei solch einem Gipfeltreffen auch Themen wie die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gestreift, aber daran wird letztendlich nicht groß etwas geändert. Warum denn auch? Schließlich profitieren die Unternehmerinnen, die dort sitzen, davon, dass Arbeiterinnen billige Arbeitskräfte sind.

Ähnlich ist es mit den anderen genannten Beispielen. Auch Emma Watson oder Beyoncé leben von dem Reichtum, der nicht von ihnen selbst, sondern durch die ArbeiterInnenklasse geschaffen wurde. Sie vertreten also auch nicht unsere Interessen. Und H&M lässt nicht etwa „GRL PWR“ T-Shirts produzieren, weil sich das Unternehmen für die Belange von Frauen einsetzt. Vielmehr ist man darauf aus, mehr und mehr Profit zu machen.

Dennoch gab es in den letzten Jahren viele Beispiele, wo Frauen aktiv wurden, um gegen ihre Unterdrückung Widerstand zu leisten: Die Hunderttausende, die in Washington, Berlin, London und Paris beim „Women’s March“ gegen Trump auf die Straße gingen, die zehntausende Frauen, die in Polen gegen die Verschärfung des Abtreibungsverbots demonstrierten. Oder die vielen Formen des Aufbegehrens in sozialen Netzwerken wie Twitter und Co. Dort teilten Frauen unter Hashtags wie „#Aufschrei“ oder „#WhyIstayed“ ihre tagtäglichen Erfahrungen mit Sexismus oder häuslicher Gewalt. All das sind Anzeichen dafür, dass Frauen ihre Unterdrückung nicht hinnehmen und etwas dagegen unternehmen wollen.

Feministische Bewegungen treten damit oft für fortschrittliche Forderungen ein, die auch wir Frauen aus der ArbeiterInnenklasse verteidigen müssen. Mit bloßen Forderungen nach Reformen allein wird aber die Unterdrückung von Frauen nicht abgeschafft werden. Ihre Unterdrückung im Patriarchat ist fest verbunden mit der herrschenden Klassengesellschaft. Deshalb werden wir die Unterdrückung auch nicht gemeinsam mit den Frauen der Kapitalistenklasse beseitigen können. Damit es eine wirkliche Befreiung der Frau geben kann, muss der Kampf nicht nur gegen das Patriarchat geführt werden, sondern auch gegen den Kapitalismus.