Der 1. Mai ist der internationale Kampftag der ArbeiterInnen weltweit. Aus diesem Grund waren gestern Millionen Menschen auf den Straßen um gegen Ausbeutung und staatliche Repression und für eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus zu kämpfen. Wir berichten über Aktionen aus Kobane, Paris, Zürich, Istanbul, Athen, Sao Paulo und Rio de Janeiro.

Kobane (Rojava/Kurdistan, Nordsyrien)

Während sich tausende DemonstrantInnen weltweit mit den Widerständlern in Kobane solidarisch zeigten, wurde dort der 1. Mai zum ersten Mal gefeiert. Nach jahrelangen, kriegerischen Angriffen durch den IS ist die Stadt zwar von Krieg und Zerstörung gezeichnet, doch beginnt man in der von kurdischen Truppen zurückeroberten und nun kurdisch verwalteten Region mit dem Wiederaufbau der Stadt und umliegender Dörfer.

Paris (Frankreich)

Bei der alljährlichen 1. Mai Demonstration in Paris kam es zu – teils für die französische Hauptstadt außergewöhnlich heftigen – Auseinandersetzungen mit der Polizei, als sich immer wieder kleinere, maskierte Gruppen vom großen Zug durch Paris absetzten. Molotowcocktails sowie Rauchbomben waren die Reaktion der DemonstrantInnen, woraufhin sämtliche Taschen der gekesselten Demonstrierenden durchsucht wurden und Material beschlagnahmt wurde. Im Gemenge kam es zu zahlreichen Verletzten auf beiden Seiten.
Der Zug des Gewerkschaftsbündnisses beginnt traditionell am Platz der Republik und eben dort kam es erneut zu Ausschreitungen, die sich gegen die Präsidentschaftskandidatin des „Front National“ (FN), Marine Le Pen, richteten. Die konkurrierenden Kandidaten nutzten die Unruhe, um ihren eigenen Wahlkampf zu befeuern. So sprach Emmanuel Macron der „En Marche“-Partei während der Umzüge von Solidarität mit Opfern rassistischer Gewalt. Der gewerkschaftliche Widerstand hingegen wurde vom Front National immens kritisiert und kriminalisiert.

Zürich (Schweiz)
Der traditionelle Umzug in Zürich, zu dem wie jedes Jahr an die 12.000 DemonstrantInnen zusammentrafen, wurde von einem revolutionären Block mit etwa 800 Personen begleitet. Neben Feuerwerken kam es aus dem antikapitalistischen Block auch zu Farbangriffen gegen die Schweizer Großbank „UBS“ und das Rathaus.
Wiederholt wurde auch das türkische Konsulat von Farbkugeln getroffen und daraufhin von der Polizei gesichert; der Widerstand gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan war auch auf Transparenten und in Parolen allgegenwärtig. Die Veranstaltung endete wie jedes Jahr in einer Schlusskundgebung mit musikalischer Begleitung, diesmal jedoch ergänzt durch ein revolutionäres Treffen auf dem Kanzlei-Areal.

Istanbul (Türkei)

In Istanbul kam es zu Ausschreitungen, als sich tausende Menschen entschieden, trotz etlicher Repressalien einen Protestzug mit der Botschaft von Zincirlikuyu zum Taksim-Platz durchzuführen. Bereits hier kam es zu 102 Festnahmen. Nachdem mindestens 34 Menschen bei einer Gewerkschaftsversammlung dort am ersten Mai im Jahr 1977 ihr Leben durch automatisierte Waffen verloren, waren bis auf wenige Ausnahmen jegliche Kundgebungen an diesem Platz verboten worden. Auch dieses Jahr war das Polizeiaufgebot mit 30.000 PolizistInnen riesig und das Gebiet weiträumig abgesperrt. In weiteren Teilen der Stadt wurden Proteste und Aktionen mit der Botschaft: „Lang lebe der 1. Mai. Nein zum Diktator“ veranstaltet, insgesamt wurden mehr als 200 Festnahmen verzeichnet und Tränengas sowie Gummigeschosse kamen zum Einsatz. Am Abend des 1. Mais traf man sich in Kadiköy zu einer Solidaritätsveranstaltung mit den Festgenommenen.

Athen (Griechenland)

Landesweit wurde dieses Jahr in Griechenland der 1. Mai mit einem 24-stündigen Streik begangen, der vor allem den öffentlichen Nahverkehr betraf. Die „PAME“ als größte kommunistische Gewerkschaft organisierte im Anschluss eine Versammlung, an der sich weitere Bündnisse beteiligten, unter dem Motto »Wir leisten Widerstand gegen den Abbau des Sozialsystems«. Rund 10.000 Menschen versammelten sich dazu allein in der Landeshauptstadt. Das griechische Sozialsystem ist unter anderem durch die aktuelle Schuldenpolitik des Landes und der EU belastet und ermöglicht nunmehr kaum, die griechischen Bürger zu versorgen.

Sao Paulo & Rio de Janeiro (Brasilien)

Nach dem kürzlichen Generalstreik historischen Ausmaßes am 28. April 2017 füllten rund 200.000 DemonstrantInnen die Straßen der brasilianischen Hauptstadt. Zwar waren Demonstrationen anlässlich des 1. Mai im Vorfeld durch den Bürgermeister untersagt worden, doch die Polizei beschränkte sich auf geringfügige „Sicherungen“. In Rio de Janeiro gab es einen Aufruf zu Protesten als Reaktion auf die Polizeigewalt, die gegen Streikende in der vergangenen Woche verübt wurde. Diesem folgten mindestens 10.000 Menschen. Der Druck der Straße zeigte bereits Wirkung insofern, als sie zu aufgeregten Diskussionen innerhalb der politschen Eliten führte. Konkrete Vorschläge wurden bisher nicht vorgelegt.