Der Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die um den Einfluss im Jemen kämpfen, bringt das Land an den Rand einer verheerenden Hungersnot.

Der Vorsitzende des Norwegischen Flüchtlingsrates Jan Egeland sagte nach einem Besuch in dem arabischen Land, dass „nirgendwo auf der Welt so viele Menschenleben in Gefahr“ seien. Laut Egeland droht eine Hungersnot „biblischen Ausmaßes“. So konnten im April nur drei von sieben Millionen Einwohnern mit Lebensmitteln versorgt werden, die besonders dramatisch an Hunger leiden.

Nun besteht die Gefahr, dass sich die Lage noch verschlimmern könnte. So hat die saudische Luftwaffe in der vergangenen Woche Flugblätter über der Hafenstadt Hodeida abgeworfen, auf denen sie die Bombardierung des Hafens ankündigte. Über den Hafen am Roten Meer gelangen mindestens 70% der Lebensmittel in das Land, 90% aller Lebensmittel müssen in den Jemen eingeführt werden.

Schon seit Mitte 2015 führt die durch das sunnitische Saudi-Arabien geführte Militärallianz eine Militärintervention durch. Dabei wird sie von den USA, Frankreich und Großbritannien – oft auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten – unterstützt. Die Allianz steht dabei hinter dem faktisch entmachteten jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, dem von Seiten der schiitischen Huthi-Rebellen die Macht streitig gemacht wird. Diese werden ihrerseits vom Iran und ihm nahestehenden Kräften wie Russland unterstützt. Wichtiger Hintergrund der Auseinandersetzung ist ganz wesentlich die geostrategische Lage des Jemens. So liegt der Jemen an der besonders bedeutenden, nur 27 km schmalen, Meerenge zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean, dem „Bab al-Mandab“ (Tor der Tränen), die eine außerordentlich wichtige Bedeutung für den Handelsverkehr zwischen Afrika, Asien und Europa hat. Zu dessen „Schutz“, v.a. gegen Piraterie, hielt sich auch die deutsche Marine mit Kriegsschiffen vor Ort auf, z. Zt. beteiligt sie sich an der Operation „Atalanta“ mit Lagezentrum in Djibouti. 

Die Notleidende im Kampf um Einflusssphären ist die jemenitische Zivilbevölkerung. Seit dem 26. März 2015 sind nach UN-Angaben bis Anfang März 2016 – Berichten zufolge überwiegend durch Luftangriffe der saudisch geführten Militärallianz – mindestens 3.081 Zivilisten getötet worden, darunter bis Ende März 2016 mindestens 934 Kinder. Bis heute werden insgesamt 12.000 tote Jemeniten und mindestens 40.000 Verletzte geschätzt. Im „Windschatten“ der Bombardierungen haben nun bereits „Al Qaida im Jemen“ und ein Ableger des „Islamischen Staates“ einen mehrere hundert Kilometer langen Küstenstreifen am Golf von Aden erobert. Saudi-Arabien wird dabei vorgeworfen, gezielt djihadistische Gruppen im Jemen finanziell und materiell zu unterstützen.