In mehreren Städten Deutschlands versuchten Neonazis und andere faschistische Organisationen, den 1. Mai unter ein „braunes Banner“ zu stellen. Massenhafter Widerstand durch AntifaschistInnen konnte die Aktionen verzögern oder sogar ganz verhindern. Wir berichten aus Halle, Gera, Bautzen, Essen und Dortmund.


Halle

Materialblockade

Für den 1.Mai hatte die faschistische Partei „Die Rechte“ einen „nationalen 1. Mai“ für Halle angekündigt. Aus der Demonstration wurde jedoch nichts. Die Route der Faschisten wurde an gleich vier Punkten von aktiven AntifaschistInnen erfolgreich verhindert. Neben Sitz-Blockaden wurden auch Material-Blockaden errichtet, infolge derer ca. 70 AntifaschistInnen festgenommen wurden. Aufgrund des Widerstands blieb den rund 400 Faschisten somit nur eine Standkundgebung unter massivem Polizeischutz übrig. Aus Wut auf den Erfolg der AntifaschistInnen schlugen die Faschisten im Anschluss an die Demonstration gleich drei Mal zu. So wurde eine Gruppe unbeteiligter Jugendlicher mit Eisenstangen und Totschlägern attackiert. Dabei schlugen die Neonazis gezielt auf die Köpfe ein und hinterließen zwei Schwerverletzte. Eine Gruppe hinzu geeilter Nazi-GegnerInnen konnte die Gruppe vertreiben, die mit ihren PKWs flüchtete. In Köthen gelang es etwa 200 Faschisten, kurzzeitig den Bahnhof zu verlassen und sich in Richtung Innenstadt zu bewegen. Ca. 100 Neonazis stiegen bei ihrer Rückfahrt von der Kundgebung in der nahe gelegene nStadt Apolda aus, um kurz darauf die gerufenen Polizeikräfte mit Böllern, Steinen und Pyrotechnik zu attackieren. Fast alle Faschisten wurden im Anschluss in Gewahrsam genommen. Die Niederlage in Halle wurde mittlerweile auch bereits offen von den Neonazis zugegeben: Im kommenden Jahr wolle man nicht mehr nach Halle kommen, sondern in Leipzig demonstrieren.

Gera

In Gera hatte die Neonazi-Vereinigung „Der Dritte Weg“ ihre Organisation bundesweit zu einer Demonstration ihre Stadt aufgerufen. Dieses Jahr kamen jedoch mit 500 Personen im Vergleich zum letzten Jahr nur noch die Hälfte der Teilnehmer in die Thüringische Kleinstadt. Zu Gegenprotesten hatte neben dem bürgerlichen Bündnis „Herz statt Hetze“ auch der antifaschistische Vorbereitungskreis „Das Hinterland aufwühlen“ aufgerufen. Die Stadt hatte die Route bis zuletzt geheim gehalten und somit die Gegenproteste massiv erschwert. Von Seiten der AntifaschistInnen kam es dennoch zu mehreren Blockade-Versuchen, die den Aufmarsch verzögerten. Die Polizei setzte dabei Pfefferspray und Hundestaffeln ein.

Bautzen

In Bautzen hatte die NPD eine Kundgebung zum 1.Mai angemeldet, an der 100 Personen teilnahmen. Von der Stadt Bautzen war eine „Menschenkette“ mit ca. 700 Personen gegen die Aktion der Neonazis organisiert worden. In den sozialen Netzwerken kursieren jetzt Berichte zu Übergriffen durch Neonazi-Gruppen im Anschluss an die Aktionen. Unter anderem seien Quarz-Handschuhe zum Einsatz gekommen. Der Bautzener Direktkandidat der NPD, Marco Wruck, bedankte sich bei Facebook persönlich bei der Polizei: „Linke waren für uns lediglich kurzzeitig in der Ferne zu hören oder saßen Dank des beherzten Eingreifens der Polizei bewegungsunfähig und weinend auf dem Boden.“ In der Sachsener Kleinstadt konnten somit die Neonazis in Zusammenarbeit mit der Polizei im Wesentlichen ungestört bleiben und ihre faschistische „Massenarbeit“ fortsetzten. Im Februar 2016 war unter anderem ein Asylbewerberheim unter johlendem Beifall von AnwohnerInnen in Brand gesteckt worden.

Essen

Für den 1.Mai hatte die faschistische NPD zu einer Demonstration nach Essen-Altenessen aufgerufen, an der sich statt der angekündigten 200 Personen nur 100 beteiligten. Neben NPD-Mitgliedern wurden auch Personen aus den Organisationen der „Pegida“-NRW-Aktionen gesichtet. Das Essener Aktionsbündnis „Essen stellt sich quer“ (ESSQ) hatte zu einer Gegenkundgebung unter dem Motto „Der Essener Norden ist bunt“ aufgerufen. In einem Waldstück wurden 40 Antifas von der Polizei ohne Grund eingekesselt. Nach einiger Diskussion mit dem EA und der Polizei durften diese unter polizeilichen Auflagen als Spontan-Demonstration zur Kundgebung von ESSQ gelangen.

Dortmund

Bahnhofblockade

Die Aktionen gegen den Aufmarsch der Dortmunder Neonazis startete von der 1.Mai-Kundgebung im Westfalenpark aus. AntifaschistInnen verschiedener politischer Spektren zogen zum „BlockaDO“-Treffpunkt an der Bahnstation Stadthaus. Von hier aus ging es mit der S4 in Richtung Dortmund-Germania, wo die Neonazis marschieren wollten  und auch die BlockaDO-Demo starten sollte. Doch die AntifaschistInnen hatten eine Überraschung vorbereitet: Statt in Germania stiegen ca. 400 von ihnen schon in Marten-Süd aus und setzten sich auf den Bahnsteig. Als die Polizei versuchte, an den besetzten Bahnsteig heranzukommen, hieß es plötzlich „Personen im Gleis“ (und zwar Personen mit Helmen), sodass der Bahnverkehr eingestellt werden musste. Die Nazis wurden im Folgenden umgeleitet und mussten eine Verspätung von über einer Stunde hinnehmen. Nachdem das Ziel erreicht war, die Anreise der Nazis mit der S4 zu verhindern, gaben die AntifaschistInnen den Bahnverkehr wieder frei und zogen in einer bunten und lauten Demo von Marten-Süd nach Dortmund-Germania, um sich dort mit der BlockaDO-Demo wieder zu vereinigen. Mit inzwischen fast 650 Leuten ging die gesamte Demo in Richtung Lütgendortmund und zeigte abermals, dass trotz Regens Naziaufmärsche in Dortmund nicht unwidersprochen bleiben. Die Demo endete am Heinrich-Sondermann-Platz im Ortskern von Lütgendortmund.

Quellen: Eigene Korrespondenten, Tofukeks, Twitter, Pressemitteilungen der antifaschistischen Bündnisse, bürgerliche Medien