Wie der General Anzeiger Bonn bereits am vergangenen Mittwoch berichtete, wurden drei MitgliederInnen einer Gruppe der „Ver.di Jugend NRW Süd“, die gemeinsam zu den Protesten gegen den G20 Gipfel nach Hamburg angereist war, in Untersuchungshaft genommen. Zwischenzeitlich ist eine von ihnen jedoch aus der Haft entlassen worden.

Um sich mit ihren KollegInnen zu solidarisieren und Unterstützungsarbeit für die festgenommenen und verletzten AktivistInnen bei den G20-Protesten zu leisten, hat die gewerkschaftliche „Ver.di Jugend NRW Süd“ für den gestrigen Donnerstagabend zu einem offenen Aktiven-Treffen gegen die Repression eingeladen.

Zu Beginn des Treffens schilderten TeilnehmerInnen der Gegenproteste den anwesenden 44 Personen ihre Erfahrungen. Sie fühle sich „nun, wieder zu Hause, wie aus einem schlechten Traum erwacht“, so eine Aktivistin. Auf dem Weg zu den massenhaften und größtenteils erfolgreichen Blockaden gegen den Gipfel am Morgen des 7. Juli sei ihre Gruppe in eine Art Hinterhalt der Polizei geraten. Eine Gruppe von mehreren hundert Menschen wurde massiv von mehreren Seiten sowohl mit Wasserwerfern als auch durch Polizisten angegriffen, die Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen. „Innerhalb weniger Sekunden sind die Menschen in Panik geflohen. Mag sein, dass in Hamburg in diesen Tagen Steine geworfen wurden, aber da, wo ich war, nicht. Offenbar brauchte die Polizei aber gar keinen Anlass, um uns derartig anzugreifen“, schilderte eine andere der Anwesenden die Ereignisse aus ihrer Sicht.

Die darauf zumindest für einige der DemonstrantInnen folgende Zeit in der Gefangenensammelstelle beziehungsweise in verschiedenen Gefängnissen Hamburgs wurde als „entwürdigend und unmenschlich“ bezeichnet. Den AktivistInnen wurde der Eindruck vermittelt, sie könnten damit rechnen, unmittelbar aus der Ingewahrsamnahme heraus eine mehrjährige Haftstrafe anzutreten. Auch habe die Polizei versucht, das gemeinsame Singen von AktivistInnen durch Gewaltandrohungen zu unterbinden.

Bei den, beim gestrigen Treffen anwesenden, Personen aus verschiedenen Spektren der linken Bewegung Bonns, z.B. der „Bonner Jugendbewegung“, der „Antikapitalistischen Aktion Bonn“, der Bonner Partei „DIE LINKE“, verschiedener Gewerkschafts-gliederungen, aber auch bei den Familien von gefangenen DemonstrantInnen stießen diese Schilderungen auf Empörung.

Es wurden Pläne für eine gemeinsame Pressearbeit und politische Aktionen wie Demonstrationen und Kundgebungen gefasst. Alle TeilnehmerInnen betonten, wichtig sei vor allem, sich nicht eine Diskussion über „linke Gewalttäter“ aufdrücken zu lassen und auch über die durch die Polizeigewalt ausgelöste berechtigte Empörung müsse man hinausgehen. Denn, so ein Aktivist der Antikapitalistischen Aktion Bonn: die „größten Gewalttäter saßen bei G20 am Verhandlungstisch“.