Der kommende Bundestag könnte einen idealen Nährboden bieten für Lobbyarbeit und Gesetzesvorstöße der „Männerrechtler“. Gerade eine schwarz-gelbe Regierung würde die Gunst der Stunde der „Männerrechtsbewegung“ bedeuten. Ein Kommentar von Anton Dent.

Es wäre wohl kein großes Risiko darauf zu wetten, dass Angela Merkel in einem Monat nach der Bundestagswahl immer noch Kanzlerin ist. Die CDU liegt über 15 % Punkte vor der SPD, und dass diese nochmal aufholen könnte, daran glaubt kaum noch einer (Link). Was allerdings noch offen bleibt, das sind die möglichen Koalitionspartner der CDU/CSU. Wie immer wäre eine große Koalition möglich, doch auch für verschiedene andere Konstellationen besteht eine Chance. Eine gemeinsame Regierung mit der AfD wird es unter Merkel auf Bundesebene höchst wahrscheinlich nicht geben, also bleiben noch schwarz-gelb-grün, schwarz-grün und schwarz-gelb. Letztere Möglichkeit dürfte dann auch die favorisierte Regierungskoalition der CDU sein. Die FDP steht nach vier Jahren Auszeit auf der parlamentarischen Bühne in Umfragen wieder um die 10 % und wird wohl einigermaßen sicher in den nächsten Bundestag einziehen. Eine schwarz-gelbe Regierung würde die Gunst der Stunde der „Männerrechtsbewegung“ bedeuten.

Für diese wird der nächste Bundestag ein idealer Nährboden sein – für ihre Lobbyarbeit und gesetzlichen Vorstöße. Schätzungen zufolge werden im neuen Bundestag mit ca. 31% so wenig Frauen wie zuletzt vor 15 Jahren sitzen. Verantwortlich dafür wäre der wahrscheinliche Einzug der Parteien AfD und FDP, die mit 17 und 22,8 Prozent neben der CSU (20%) den geringsten Frauenanteil der Parteien aufweisen. Dass die wenigen Frauen, die es in den Parteien gibt, es schwer haben, in solchen Männervereinen Karriere zu machen, trägt ebenfalls dazu bei, dass mehrheitlich Männer ein Bundestagsmandat ergattern werden. Auch programmatisch wird von ihnen ein Angriff auf die Frauen zu erwarten sein.

Die in der FDP gegründete Gruppe „liberale Männer“ möchte beispielsweise die Frauenquote in der Wirtschaft abschaffen und macht sich dafür stark, dass Männern „Gleichberechtigung in der öffentlichen Wertschätzung“ widerfährt. Wie kommt sie bitte auf die Idee, dass dies notwendig sei? Die Frauenbewegung hat historisch einige Forderungen durchsetzen können und Erfolge erzielt. Bei vielen dieser Erfolge ging es darum, mit politischen Mitteln die soziale Ungleichbehandlung der Frau abzufedern. Die sexistische Gesellschaft weist Männern und Frauen unterschiedliche Geschlechterrollen zu („soziale Geschlechter“), die rein gar nichts mit ihrer biologischen Beschaffenheit zu tun haben. So werden beispielsweise Männer immer noch zu dominanten, selbstbewussten, starken, rationalen, emotionslosen Wesen erzogen. Dies macht Männer zwar zu halben, verkümmerten Versionen des Menschen, hilft ihnen aber ungemein in einer kapitalistischen Gesellschaft, in der genau solche Charaktereigenschaften belohnt werden. Durch diese und viele andere Mechanismen nehmen Männer eine hegemoniale Rolle in unserer Gesellschaft ein. Die Befreiung vom sozialen Geschlecht kann zwar erst in einer nicht-kapitalistischen und nicht-sexistischen Gesellschaft stattfinden, doch Maßnahmen wie die Quotenregelung bei der Besetzung von Stellen etwa in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft können der sozialen Ungleichbehandlung der Frau entgegen steuern. Sie ist nur oberflächlich betrachtet eine Bevorzugung von Frauen und eine Benachteiligung von Männern, jedoch in einem umgekehrt ungleichen System: Die Forderung, Männer und Frauen gleich zu behandeln, würde die vorhandene Ungleichheit nur verstärken. Die Sorge um die ach so armen, benachteiligten Männer steht damit auch im Widerspruch zu der ebenfalls von den „liberalen Männern“ aufgestellten Losung: „Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“. Diese bezieht sich jedoch bei ihnen auf die angeblich von Natur aus weit über die Geschlechtsmerkmale hinausgehende Verschiedenheit von Männern und Frauen. Diese müsse man akzeptieren und Männern und Frauen so behandeln wie es ihrer „natürlichen Beschaffenheit“ entspreche.

Eine weitere Herzensangelegenheit der Gruppe ist das sogenannte „Wechselmodell“: Nach diesem Modell würden Kinder in einem Scheidungsfall von Vater und Mutter nicht mehr hauptsächlich bei einem Elternteil leben, sondern gleichermaßen zwischen ihnen wechseln. Dies soll nach Wunsch der „liberalen Männer“ auch durch richterlichen Zwang angeordnet werden können. Die Unterhaltszahlungen sollen mit diesem Modell entfallen, denn Vater und Mutter wären ja gleich belastet. Einen wirklichen Vorteil hätte das Wechselmodell dann aber wohl hauptsächlich für Väter, um weiter im Leben ihrer Ex-Frau „herumpfuschen“ zu können und kein Unterhalt zahlen zu müssen. Eine Regelung zwischen Geschiedenen kann laut ExpertInnen nur funktionieren, wenn beide Eltern und Kinder das wollen und sich miteinander verstehen und gut kommunizieren. Unter solchen Bedingungen hat es für eine solche Regelung aber auch bisher noch kein Gesetz gebraucht. In den Fällen, in denen das Verhältnis der Eltern schlechter aussieht, würde das gesetzlich aufgezwungene Wechselmodell überwiegend Stress und Leid auf Seiten der Mütter und Kinder verursachen. Schon jetzt kommt es immer wieder dazu, dass gewalttätige Ehemänner auch nach einer Scheidung den richterlich durchgesetzten Umgang von Vater und Kind dazu nutzen, um weiterhin Gewalt gegen ihre Ex-Frauen anzuwenden. Nicht nur in der FDP, sondern auch in der SPD konnten die Väter-Lobbyisten dennoch ein Bekenntnis zum Wechselmodell auf den Parteitagen durchsetzen.

Der Antifeminismus ist die wohl wichtigste Klammer der politischen Rechten, die sich von Positionen der Liberalen bis tief hinein ins rechte Spektrum erstreckt. Grundlegend für alle „Maskulisten“ ist die Verurteilung des Feminismus als Männer diskriminierende Ideologie. Feministinnen sind in ihren Augen Männerhasser. Beißreflexartig empören sie sich mit schäumendem Mund gegen jedes „Binnen- I“ und Gender-Sternchen, und Political Correctness sei ideologische Bevormundung und Meinungsterror. Das andere Standbein ist das Eintreten für die besonderen Interessen für Männer und Väter, wie eben der Einsatz für das Wechselmodell in der Kinderbetreuung und -erziehung.

Ein wichtiges Netzwerk dieser Bewegung ist die Internetseite wgvdl.com (wie viel Gerechtigkeit verträgt das Land), zu welcher das wgvdl-Forum und die wiki „Wikimannia“ gehört. Auf diesen Seiten liest man haufenweise frauenfeindliche Aussagen, selbst Morde an Frauen werden im Forum von den Usern gefeiert. Solche Auswüchse findet man zwar nicht bei allen Gruppen, doch auch bei den „linken Maskulisten“ (Selbstbezeichnung) gibt man sich viel Mühe, Belästigungen, sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen herunterzuspielen. Die Statistiken, die zu solchen Themen im Umlauf sind, seien alle übertrieben und ideologisch aufgeladen, aber gleichzeitig ist man sich nicht zu fein, Zahlen zu verbreiten, nach denen 80% der männlichen Vergewaltiger in ihrer Vergangenheit von Frauen vergewaltigt wurden. „MannDat e.V.“ -Gründer Arne Hoffmann mokiert sich zum einen darüber, dass die maskulistische Szene immer wieder in die rechte Ecke gestellt werde, andererseits ist er Kolumnist bei der neu-rechten Zeitschrift „eigentümlich frei“ und schreibt Artikel für die rechte Website des Verlags Kopp-online. Beim Gender-Kongress findet sich dann auch unter den teilnehmenden Verbänden neben dem „Who is Who“ der „Männerrechtsbewegung“ das Logo der rechten und homophoben Demonstrationsorganisation „Demo für Alle“.

Das Eintreten für die Rechte von Männern, Vätern und Jungen durch sogenannte Maskulisten ist purer Antifeminismus und frauenfeindlich. Positionen dieser Bewegung findet man sowohl im äußerst rechten Lager als auch in der bürgerlichen Mitte. Nach der Bundestagswahl dürften dementsprechende Positionen mit dem Einzug von FDP und AfD an Stärke im Parlament gewinnen.