Am 31. Mai kam es zu heftigen Protesten während einer versuchten Abschiebung eines jungen Afghanen. Der 21-jährige Asef sollte direkt aus seiner Berufsschule in Nürnberg zu einem Abschiebeflug nach Afghanistan gebracht werden. Hunderte SchülerInnen versuchten spontan, den Abtransport durch Sitzblockaden zu verhindern. Dabei kam es zu heftigen Angriffen von Seiten der Polizei. Was ist seitdem passiert? – Wir führten ein Interview mit Theresa, einer Schülerin der Berufsschule 11 in Nürnberg.

Wie geht es Asef und was ist sein aktueller Status?

Seine Lage ist bislang noch ungeklärt. Er ist dementsprechend nervös. Die Regierung tut alles um den Protest und Asef in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Dabei kommen immer mehr Fehler von Polizei und der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) ans Tageslicht.

Wie ist momentan die Stimmung unter seinen Freunden und MitschülerInnen? Wie hat euch der 31. Mai beeinflusst und was ist danach in der Schule geschehen?

Viele waren geschockt nach dem Gewaltexzess der Polizei. Auch die überregionalen Medien haben kein gutes Bild bei den MitschülerInnen hinterlassen. Die Darstellung der Polizei wurde trotz Widersprüchen zu den Aussagen lokaler Medien unwidersprochen abgedruckt. Die Wut war groß, aber auch die Hoffnung, dass Asef wieder zur Schule gehen kann. Unser Protest hat Einiges in Bewegung gebracht und das ist vielen MitschülerInnen bewusst geworden.

Nach den Protesten wurde durch die Bayrische CSU teilweise versucht, euch als randalierende Chaoten und Asef als Deutschen-Hasser darzustellen. Was hat das bei euch ausgelöst?

Allen Beteiligten ist klar, dass die Darstellung des Innenministeriums zum Geschehenen haltlos ist. Die Gewalt ist zu keinem Zeitpunkt vom Protest ausgegangen. Stattdessen wurden SchülerInnen geschlagen, mit Pfefferspray eingedeckt und mussten sich von Hunden attackieren lassen. Wir sind dankbar um Jede/n, der/die sich uns an diesem Tag angeschlossen haben und das Auto blockierten. Die Spaltung in unpolitische SchülerInnen – weil nur besorgt um ihren Mitschüler – und in Linke ist zum einen ein billiger Versuch, die Gewalt zu legitimieren. Zum anderen ist es eine politische Entmündigung derer, die sich gegen Abschiebungen einsetzten. Es gab bereits im Vorfeld eine Schulgruppe, die sich gegen Abschiebungen stark gemacht hat. Nur eine Woche vor dem Vorfall fand eine Kundgebung zu der Thematik mit 200 Teilnehmenden vor unserer Schule statt. Jetzt halten Polizei und Innenministerium nicht mal mehr an ihrer eigenen Lüge fest und ermitteln gegen SchülerInnen.

Euer Widerstand ist ein bundesweites Signal für grenzenlose Solidarität und gegen die unmenschliche Abschiebe-Praxis nach Afghanistan. Was war rückblickend das Wichtigste, warum es zu dem spontanen Protest kam?

Die Möglichkeit im schulischen Rahmen, sich mit Recht auf Asyl und der deutschen Abschiebepraxis zu beschäftigen, hat denke ich den Stein ins Rollen gebracht. Aus einer Projektarbeit von SchülerInnen ist eine Gruppe entstanden, die praktisch etwas verändern wollte. Dass der Polizeieinsatz so zum Desaster für die bayerische Regierung wurde, ist wohl dem geschuldet, dass alle Zeichen von der Schülerschaft der B11, gegen Abschiebung einzustehen, nicht für voll genommen wurden.

Am 31. Mai wurden auch einige Personen in Gewahrsam genommen. Nun hat sich ein Bündnis „M31“ gegründet. Wie sehen weitere Planungen aus?

Das Bündnis „Widerstand Mai 31“ muss sich nun mit dem Willen der Landesregierung, möglichst viele Straftaten zu konstruieren, herumschlagen. Die Kosten werden groß aus fallen. Deshalb sind auch alle angehalten, auf das Spendenkonto am Ende des Textes zu spenden und somit die AktivistInnen zu unterstützen und in ihrem Tun zu bestärken. Wir werden das Thema in der Öffentlichkeit halten und daran erinnern, dass mit der viel gefeierten Zivilcourage oft auch Repression auf einen einprasselt. Darüber hinaus hat sich ein Bündnis unter dem Namen „Jugendaktion Bildung statt Abschiebung“ gegründet, welches SchülerInnen, Jugendgruppen, Partei- und Gewerkschaftsjugenden an einen Tisch bringen möchte. Gemeinsam werden wir auf einen Bildungsstreik Ende November hinarbeiten und rufen auch dazu auf:
Gründet ähnliche Bündnisse in euren Städten, setzt euch mit uns in Verbindung und lasst uns gemeinsam weitere schlagkräftige Zeichen gegen Abschiebung setzten! Wir sollten diese Möglichkeit nicht verstreichen lassen und die Jugend dieses Landes auf die Straße rufen!

 

Spendenkonto:

Empfänger: Rote Hilfe OG Nürnberg, GLS Bank, Kto.: 4007238359, BLZ: 43060967

IBAN: DE85430609674007238359, BIC: GENODEM1GLS

Kennwort: 31.Mai

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