Janine Gözkan arbeitet als Produktionshelferin in einem Zulieferbetrieb für verschiedene große Autohersteller wie z.B. VW. Wir haben ein Interview mit ihr über ihre Arbeitsbedingungen als Leiharbeiterin in der Montageabteilung und die Möglichkeiten des Widerstands geführt.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Dir aus?

Ziemlich eintönig und langweilig. Ich arbeite entweder in Früh- oder Spätschichten jeweils 8 Stunden pro Tag. Im Prinzip ist die Arbeit nicht schwer, doch auch wenn man uns am Anfang gesagt hat, dass es wohl keine Akkordarbeit sei, haben wir trotzdem eine Stückzahl, die wir am Tag fertigstellen sollen, dafür muss man in hoher Hast arbeiten. Wir haben eine halbe Stunde Pause am Tag und in den Pausen sind die Abteilungsleiter und Einrichter immer mit anwesend, sodass man nicht mal mit den Kollegen in Ruhe reden kann.

Was macht die monotone Arbeit mit den Menschen?

Das ist schwer zu beschreiben. Stell dir vor, du stehst vor dieser Maschine und machst – je nachdem welches Teil hergestellt werden muss – innerhalb von ein paar Sekunden bis maximal zwei Minuten ein Teil fertig. Fünf mal die Woche, acht Stunden lang. Deine Arbeitskollegen sind weiter entfernt von dir, sodass du dich nicht mal etwas unterhalten kannst, was früher eher möglich war. Jedoch haben sich die Chefs oder Abteilungsleiter Gedanken darüber gemacht, wie die Arbeiter schneller, effektiver und mehr produzieren können und haben komplett umgebaut. Sie haben dafür gesorgt, dass wir Arbeiter bloß nicht den Arbeitsplatz verlassen. Man redet mit sich selbst, überlegt und denkt an viel Sinnloses aus Langeweile. Der Mangel an sozialen Kontakten ist das Härteste an der ganzen Arbeit. Das ist wirklich kein schönes Gefühl, und somit macht die Arbeit selbstverständlich auch absolut keinen Spaß.

Wer arbeitet in dem Betrieb und welche Arbeitsverträge gibt es?

Es ist eigentlich ziemlich gemischt von der Herkunft her. Im Betrieb sind schätzungsweise 65 Prozent deutscher Herkunft. Der Rest sind Italiener, Türken und andere Nationalitäten. Noch sind wenige Jugendliche im Betrieb und die meisten sind über 30 Jahre alt. Durch die die Leiharbeiter kann es jedoch bald sehr anders aussehen, denn es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von Leiharbeitern. Zu ca. 90 Prozent besteht die Belegschaft der Firma aus Leiharbeitern und der Rest, also nur 10 Prozent, sind Festangestellte.

Wie sieht es mit dem Lohn aus?

Da ich als Leiharbeiterin in der Firma tätig bin, bekomme ich nur den Mindestlohn. Wenn man darüber nachdenkt, wie viel das Unternehmen von mir kriegt, wenn ich am Tag mindestens 800 Teile fertigstelle, ist die Summe des Lohns natürlich lächerlich klein. Wie ich von den meisten Arbeitern mitbekommen habe, steigt der Lohn sogar bei einer Festanstellung nur um 50-100 Euro an.

Gibt es Unzufriedenheit unter den KollegInnen? Sprecht Ihr darüber?

Es ist unterschiedlich. Es gibt einmal die, die sich beim Chef einschleimen, denen niemand was erzählt, die auch keiner wirklich mag, denn sie werden als Petzen angesehen. Sie meinen, sie seien besser als die anderen, obwohl sie denselben Lohn bekommen. Die anderen Kollegen sind sich ihrer Ausbeutung und Unterdrückung sehr bewusst, jedoch hat es sich so sehr in ihr Handeln und Denken eingebrannt, dass man nichts ändern könnte, sodass sie das alles einfach hinnehmen wie es ist. Das Einzige was ihnen fehlt, ist ein Bewusstsein ihrer eigentlichen Macht, die sie haben würden, wenn sich die Arbeiter organisieren.

Wie könnten sich die Arbeiter organisieren und für welche Forderungen?

Die Arbeiter müssten untereinander privaten Kontakt aufbauen und sich regelmäßig irgendwo außerhalb der Firma treffen. Sie sollten überall von der Ausbeutung und Unterdrückung sprechen, um weitere Schritte zu gehen. Man könnte dafür sorgen, dass eine fortschrittliche Gewerkschaft im Betrieb aktiv ist, welche sich für die Arbeiter einsetzt. Bisher spielt keine Gewerkschaft eine Rolle. Die Forderungen sollten ganz klar eine Lohnerhöhung einschließen, sowie die Beseitigung des massiven Drucks, dem die Arbeiter ausgesetzt sind. Außerdem sollte vom Unternehmer anerkannt werden, dass Rechte auf sozialen Kontakt bestehen, denn wir sind doch Menschen und keine Roboter, die dort arbeiten, was der Unternehmer wahrscheinlich vergessen hat.

Wie denkst Du sollte man deinen Arbeitsbereich eigentlich organisieren?

Ganz demokratisch, jedoch nicht wie die „Demokratie“, die wir in dieser kapitalistischen Gesellschaft kennen. Da wir Arbeiter alle den gesellschaftlichen Reichtum produzieren, muss er auch dementsprechend gerecht aufgeteilt werden. Dadurch, dass in einer sozialistischen Gesellschaft alle arbeitsfähigen Menschen arbeiten würden, würde sich auch automatisch der Arbeitstag schließlich verkürzen, was viel bessere Bedingungen für uns bedeuten würde. Es sollte alles auf wirklicher Demokratie beruhen, das heißt, die Arbeiter sollten in der Produktion und Verteilung mit entscheiden dürfen, gemeinsam Schwierigkeiten überwinden und so auch Erfolge gemeinsam erleben können.