Zehntausende haben in Barcelona für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien demonstriert. Am 1. Oktober soll ein Referendum stattfinden. Kommunisten kritisieren den Prozess als Kampf zwischen herrschenden Cliquen.

In Barcelona sind am Samstag rund eine Millionen Menschen für die Unabhängigkeit Kataloniens vom spanischen Staat auf die Straße gegangen. Die Demonstration begann um 17:14 in Erinnerung an die Eroberung Barcelonas durch spanische und französische Truppen während des spanischen Erbfolgekrieges am 11. September 1714.

Aufgerufen zur Demonstration hatte die Katalanische Nationalversammlung (ANC). Diese plant für den 1. Oktober ein Referendum, bei dem über die völlige Loslösung Kataloniens von Spanien abgestimmt werden soll. Bisher genießt der im Nordosten Spaniens gelegene Teil bereits weitreichende Autonomie-Rechte. So wird in Schulen und in der Öffentlichkeit wieder Catalán gesprochen. Die spanische Zentralregierung hat die Abstimmung bereits für illegitim und illegal erklärt und will das Ergebnis nicht akzeptieren.

Kampf der Bourgeoisien

Die spanische Organisation „Marxistisch-Leninistische Partei (Kommunistischer Wiederaufbau)“ PLM (RC) spricht in einer ausführlichen Erklärung von einem „Kampf zwischen den zwei hauptsächlichen Bourgeoisien im Land, zwischen der katalanischen und der spanischen“.
Das einzige,was die herrschende Klasse Kataloniens interessiere, sei eine „unabhängige katalanische Republik, die ihre ökonomischen Interessen verteidigt, der Rest ist ihnen egal.“

Katalonien ist der am meisten industrialisierte Teil Spaniens. Würde Katalonien unabhängig, würde Spanien mit einem Schlag fast zwanzig Prozent seiner Wirtschaftsleistung verlieren.

Keine Verbesserung durch Unabhängigkeit für die ArbeiterInnenklasse

Nach Meinung der PML (RC) würden sich durch eine Unabhängigkeit unter Führung der momentan herrschenden Klasse Kataloniens die Lebensbedingungen der ArbeiterInnen nicht grundlegend ändern. Auch die katalanische Bourgeoisie wolle sich wieder in die Abhängigkeit von der EU und den USA begeben und die sozialen Nöte der katalanischen ArbeiterInnen nicht in Angriff nehmen.

Das geplante Referendum am 1. Oktober sei eine „große Lüge, welche die Mobilisierungen in falsche Bahnen lenkt und die politische Aktivität von den wahren Problemen ablenkt, nämlich von der Notwendigkeit, den Klassenkampf für die eigenen Befreiung durchzuführen.“

In ihrer Erklärung macht die kommunistische Partei deutlich, dass sie sich jedoch nicht grundsätzlich gegen die Unabhängigkeit ausspreche, sondern für eine „föderale Volksrepublik“ kämpfe, „die wirklich das Recht auf Selbstbestimmung und Volkswillen achtet, die einen wirklich fortschrittlichen Charakter hat, und die sich auf den Weg macht, mit dem wesentlichen Problem, dem Kapitalismus, Schluss zu machen, indem sie die einzige Alternative – den Sozialismus – aufbaut.“