21% der Kinder in Deutschland leben dauerhaft in Armut – mit schwerwiegenden Folgen.

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung befinden sich zur Zeit 21% der unter 18-jährigen Jungen und Mädchen in langfristiger oder immer wiederkehrender Armut. Neun Prozent leiden unter temporärer Armut, sie leben in nicht gesicherten Verhältnissen.

Arm ist, wer weniger als 60% des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens verdient oder wer staatliche Grundsicherung bekommt. Die Bertelsmann-Stiftung hat zusammen mit dem „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ (IAB) die letzten 5 Jahre das Einkommen von Familien untersucht. Es gibt 3 Gruppen, die der Studie zufolge besonders von Armut betroffen sind: Kinder von allein erziehenden Elternteilen, Familien mit drei oder mehr Kindern und Familien, bei denen die Eltern über eine nur   gering qualifizierende Bildung verfügen.

Von Armut betroffene Kinder werden abgehängt

Ein Computer, eine ausreichend große Wohnung, eine Waschmaschine oder soziale Aktivitäten wie ein Kinobesuch – diese Dinge gehören unter anderem laut Studie zu den „23 Gütern und Aspekten sozialer Teilhabe“. Die Bertelsmann-Stiftung erfragte bei Familien, ob es aus finanziellen Gründen zu einem Mangel bei diesen 23 Gütern kam: Bei langfristig armen Kindern fehlten 7,3 dieser Güter, bei den Kindern, die in kurzzeitig ungesicherten Verhältnissen lebten, waren es 3,4 fehlende Aspekte, und bei den nicht in Armut lebenden Kindern mangelte es an 1,7 Gütern.

„Wer schon als Kind arm ist und nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, hat auch in der Schule nachweisbar schlechtere Chancen. Das verringert die Möglichkeit, später ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Armut zu führen.“, so der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger.

Eine schlechte finanzielle Lage in Familien habe oft negative Auswirkungen auf die Zukunft der Kinder. Sie müssten häufiger Klassen wiederholen, hätten schlechtere Noten und seien häufiger krank. Das geben die Autoren der Studie zu bedenken.

Jörg Dräger fordert deshalb: „Die zukünftige Familien- und Sozialpolitik muss die Vererbung von Armut durchbrechen. Kinder können sich nicht selbst aus der Armut befreien – sie haben deshalb ein Recht auf eine Existenzsicherung, die ihnen faire Chancen und ein gutes Aufwachsen ermöglicht.“