Heute vor 50 Jahren wurde der kubanische Revolutionär Che Guevara ermordet – ein Nachruf von Tim Losowski

Noch immer ist er häufig im Alltag zu sehen: Auf T-Shirts, als Button und Aufnäher an Rücksäcken, auf Postern in WG. Auch wenn die Pop-Kultur versucht ihn abzustumpfen – er ist ein Symbol der kompromisslosen Rebellion gegen den Kapitalismus.

Ernesto „Che“ Guevara de la Serna wurde am 14 Juni. 1928 während eines Zwischenstopps auf einer Schiffreise im argentinischen Rosario geboren. Seine Familie betrieb eine Mate-Plantage, die ein mittelständisches Überleben sicherte. Schon früh kam er mit Politik in Kontakt, da das Haus seiner Eltern zum Treffpunkt spanisch-republikanischer Exilanten wurde.

Bereits mit 18 begann er mit seinem Medizin-Studium in Buenos Aires. Er unterbrach es mehrfach für Reisen durch Lateinamerika, auf denen er die Unterdrückung und die koloniale Abhängigkeit des Kontinents von den westlichen Mächten – insbesondere den USA – kennenlernte. Durch seine Analyse der Situation in Lateinamerika in Verbindung mit dem Studium des Marxismus entwickelte er sich Stück für Stück zum Kommunisten. Im Juni 1955 lernte er Raul Castro und später dessen älteren Bruder Fidel Castro in Mexico kennen. Sie waren führende Mitglieder der „Bewegung des 26. Juli“, die bereits 1953 versucht hatte, eine größtere Anzahl an Waffen zu erbeuten, um den kubanischen Diktatur Fulgencio Batista zu stürzen. Che schloss sich dieser vom Marxismus-Leninismus beeinflussten Organisation an und wurde zum „Kommandante“. Die Stärke der revolutionären Bewegung konzentrierte sich zunächst auf die Bauern in Verbindung mit Guerilla-Aktionen. So führte er die Einnahme von Santa Clara am 29. Dezember 1958 nach zweijährigem Guerillakampf gegen die zahlenmäßig weit überlegene Batista-Armee an. Nach der erfolgreichen Schlacht war der Weg zur Übernahme der Hauptstadt frei.

1959 siegte die antiimperialistisch-demokratische Revolution in Kuba. Che Guevara wurde Leiter der Nationalbank Kubas und Industrieminister. Kuba war damals stark abhängig von seiner Zuckerrohr-Monokultur. Che wollte die daraus entstandene Abhängigkeit von den Großmächten brechen und eine eigenständige Wirtschaft aufbauen. Dies brachte ihn in Widerspruch zur Sowjetunion. Diese sprach sich gegen eine Industrialisierung Kubas aus und wollte das Land als Anhängsel in den eigenen Machtbereich eingliedern. So stellte Che Guevara 1965 fest, dass damit die eigentlich „sozialistischen“ Länder „in gewisser Weise Komplizen der imperialistischen Ausbeutung sind“. Auch Fidel Castro kritisierte die sowjetische Wirtschaftspolitik, war jedoch nicht bereit, den Bruch zu riskieren. So kamen die beiden Revolutionsführer in massiven Konflikt. Die Lösung des Dilemmas sah Che nur darin, die Revolution auf den ganzen lateinamerikanischen Kontinent auszudehnen. Um eine Spaltung der Revolution zu verhindern, verließ er Kuba, um in Bolivien den Guerilla-Krieg zu entfalten.

Die „Kommunistische Partei Boliviens“ hatte Che Guevara zunächst ihre Unterstützung zugesagt. Im März 1967 begannen die Guerillas aktiv zu werden. Doch die sowjetische Führung fürchtete einen Steppenbrand – das Ziel Che Guevaras. Nach einer Unterredung in Moskau beendeten die bolivianischen Kommunisten jegliche Unterstützung für ihn. Am 7. Oktober wurde Guevara von bolivianischen Regierungseinheiten gefangen genommen und am 9. Oktober hingerichtet. Wichtiger Strippenzieher hinter dem Attentat war der SS-Mann und Gestapo-Chef in Frankreich, Klaus Barbie, der bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg durch die CIA angeworben und auch innerhalb des deutschen Geheimdienstes eingesetzt wurde. Nach seinen Aktivitäten als ‚Recruiter‘ für die deutsche Stay-Behind-Armee wurde er in Lateinamerika für verschiedene antikommunistische Aktionen verantwortlich.

Obgleich die bolivianische KP von der brenzligen Situation Guevaras und seiner Guerilla wusste, war keine internationale Solidarität organisiert worden. In einer Einführung zu den im Juli 1968 veröffentlichen Tagebüchern Che Guevaras schrieb Castro von „verräterischen Führern“: „Ihre eigentliche Absicht bestand darin, die Guerillabewegung im Keim zu zerstören, sämtliche revolutionären Aktionen zu verlangsamen und an ihre Stelle ihre eigenen absurden und verabscheuungswürdigen politischen Händel zu setzen.“

Che Guevara wurde ermordet, doch seine Ideen lebten in unzähligen Organisationen weiter, die in den kommenden Jahrzehnten gegründet wurden, um den Kampf gegen neokoloniale Ausbeutung in Lateinamerika und in der Welt aufzunehmen.

*„Hasta Siempre, Comandante“ ist ein Lied des kubanischen Komponisten Carlos Puebla aus dem Jahr 1965.

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