Landesregierung setzt vermehrt auf Abschiebungen bei Nacht – Aufschrei bleibt aus.

Die versuchte Abschiebung des Afghanen Asef N. am 31. Mai in Nürnberg wurde bundesweit bekannt: Seine MitschülerInnen blockierten den Mannschaftswagen, der ihn zum Flughafen bringen sollte. Beim anschließenden Polizeieinsatz wurden mehrere SchülerInnen verletzt und anschließend festgenommen. Bis heute sitzt Sercem Y. in Untersuchungshaft.

Doch ungeachtet des öffentlichen Protests – selbst von Seiten der Politik – gehen Abschiebungen junger SchülerInnen weiter, so auch wieder am vergangenen Mittwoch, als zwei Jugendliche zusammen mit ihrem Vater abgeschoben wurden.

Laut einer Pressemitteilung des Helferkreises „Familie K“ kam die Polizei am Morgen des 18.10.2017, um die gesamte kurdische Familie aus Syrien abzuschieben. Sie traf jedoch nur den Vater und seine zwei Söhne an – die Abschiebung nach Bulgarien wurde sofort vollzogen. Einer der beiden abgeschobenen Söhne namens Dalshin leidet an einer Behinderung und besuchte die „Merianschule“, sein Bruder Mohammed die „Berufsschule 14“ in Nürnberg. Die beiden Schüler waren 17 und 18 Jahre alt.

Besonders brisant: Die Behörden haben den Vater und die zwei Söhne bereits kurz vor der eigentlichen Gerichtsverhandlung am 03.11.2017 abgeschoben. Hier wäre der Widerspruch gegen den Bescheid des Bundesamtes (BaMF) verhandelt worden. Laut dem Helferkreis sei selbst der Anwalt der Familie von diesem „dreisten Vorgehen“ überrascht. Der andere Teil der Familie konnte nicht angetroffen werden, ist jedoch weiterhin von einer Abschiebung bedroht. Unter ihnen auch eine 20-Jährige, die bereits 2016 eine Ausbildung begann, die von der Stadt Nürnberg genehmigt wurde.

Die Landesregierung scheint somit verstärkt wieder auf Abschiebungen bei Nacht bzw. am frühen Morgen zu setzen, um der Konfrontation und Solidarisierung des sozialen Umfelds auszuweichen, wie es am 31. Mai in Nürnberg an Asefs Berufsschule geschehen war.

Somit erhalten dem Helferkreis zufolge die meisten Fälle keine Aufmerksamkeit: „Still und leise verschwinden die Betroffenen, ohne dass sich ein Politiker oder eine Politikerin für sie interessiert. Daher muss man daraus schließen, dass allein der Widerstand bei der versuchten Abschiebung von Asef N. zu öffentlicher Aufmerksamkeit führte.“