Bis zum Jahr 2018 wird mit einem Anstieg auf bis zu 1,2 Million Wohnungsloser gerechnet.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) hat am Dienstag in Berlin ihre aktuelle Schätzung der Anzahl der in Deutschland lebenden wohnungslosen Menschen veröffentlicht. Laut der Schätzung lebten im vergangenen Jahr (2016) rund 860.000 Menschen ohne eigene Wohnung in Deutschland. Das entspricht einem Anstieg von ca. 150 Prozent gegenüber dem Jahr 2014.

Seit dem Jahr 2016 bezieht die BAG Wohnungslosenhilfe auch anerkannte Flüchtlinge in ihre Schätzungen mit ein. Rund die Hälfte der Wohnungslosen sind anerkannte Flüchtlinge, welche keine Wohnungen finden können. Bis zum Jahr 2018 geht die BAG W von einem erneuten Anstieg auf insgesamt 1,2 Millionen Wohnungslose aus.

„Auch ohne Berücksichtigung der Wohnungslosigkeit von Flüchtlingen  müssen wir leider davon ausgehen, dass der Anstieg der Wohnungslosenzahlen zwischen 2015 und 2016 unseren früheren Prognosen entsprochen hat. Die Zuwanderung hat die Gesamtsituation dramatisch verschärft, ist aber keinesfalls alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot“, erklärte Thomas Specht, Geschäftsführer der BAG W.

Laut Specht ist vor allem das fehlende Angebot an bezahlbarem Wohnraum für den Anstieg verantwortlich. So sei der Bestand von Sozialwohnungen seit 1990 um rund 60 Prozent gesunken. Zudem haben Kommunen, Länder und der Bund in den vergangenen Jahren große Wohnraumbestände an private Investoren verkauft und somit weiteren bezahlbaren Wohnraum vernichtet.

„Die Staatseinnahmen wachsen deutlich. Für die Wahlperiode bis 2021 liegen die Einnahmen um 26 Milliarden € höher als noch im Mai geschätzt. Ein reiches Land wie Deutschland hat also durchaus die Mittel, die Wohnungslosigkeit zu bekämpfen“, erklärte Werena Rosenke, stellvertretende Geschäftsführerin der BAG W.

Die BAG W fordert seit Jahren konkrete Maßnahmen gegen die akute Wohnungsnot in Deutschland.