Zehntausende demonstrieren international für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen.

Gewalt gegen Frauen zeigt sich in verschiedensten Facetten und sie ist überall zu sehen: Genitalverstümmelungen, Zwangsprostitution, Frauenmorde sind genauso Formen der Gewalt, der Frauen weltweit gegenüberstehen, wie sexuelle Belästigungen, häusliche Gewalt und gesetzliche Diskriminierung.
Deswegen sind jedes Jahr am 25. November überall auf der Welt Frauen auf der Straße, um für ihre Freiheit zu kämpfen. Dabei gibt es zwar auch Proteste von solidarischen Männern, die großen Demonstrationen sind aber in der Regel rein von Frauen organisiert, denn der Kampf gegen Gewalt an Frauen ist auch der Kampf der Frau für ihre Unabhängigkeit.

Im Folgenden eine Auswahl der Proteste, die am Samstag in Europa stattgefunden haben:

Spanien

In Madrid trafen sich am Samstagabend tausende Frauen anlässlich des 25. Novembers am Plaza de la Villa (Link). Neben der Forderung nach sexueller Selbstbestimmung stand bei ihnen auch das Gedenken an die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt im Zentrum, viele trugen schwarze Luftballons mit deren Namen und Kerzen bei sich. Die Parolen der Frauen in Spanien lauteten unter anderen „ser mujer es un estado de guerra“ („Frau zu sein ist ein Kriegszustand“) und „No es no, lo demás es violación“ ( „Nein heißt Nein, der Rest ist Vergewaltigung“).

In zahlreichen weiteren Städten gab es große Protestmärsche. Viele knüpften dabei an die vorangegangene Debatte um Abtreibungen an, in denen Frauen um ihr Recht kämpften, auch im Fall einer Schwangerschaft selbst über den eigenen Körper zu bestimmen. Insgesamt waren zehntausende Frauen „vivas, libres y rebeldes“ („lebendig, frei und rebellisch“) auf den Straßen Spaniens unterwegs (Link).

Türkei

Wie in den vergangenen Jahren hatte die Polizei den Frauen in der Türkei verboten, eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen durchzuführen. Genau wie in den letzten Jahren ist es dennoch gelungen, dass sich mehr als 2.000 Frauen in Istanbul trafen und gemeinsam einen Demonstrationszug begannen (Link).

Auch sie haben den Opfern der Gewalt aller Formen gedacht: der rund 300 Frauen, die im vergangenen Jahr von  ihren (Ex-)Partnern ermordet wurden, ebenso wie all der Frauen und Mädchen, die sexuelle Belästigung erleiden mussten.

Der Protest-Zug konnte nicht zu Ende geführt werden, da die Polizei ihn vorzeitig stoppte. Dennoch richteten sich die Frauen mit einer Erklärung an die Medien, in der sie ihre Forderung nach selbstbestimmtem, gewaltfreiem Leben vorbrachten.

Italien

In zahlreichen Städten demonstrierten Frauen gegen männliche Gewalt, die größte Demonstration gab es in der Hauptstadt Rom am Piazza della Repubblica. „Abbiamo un piano!“ („Wir haben einen Plan!“) lautete der Slogan, unter dem Frauen dort ihre Stimme erhoben, und so wurden neben dem lauten und bunten Protestmarsch durch das Stadtzentrum sehr präzise Forderungen an Justiz und Politik verlesen, wie sie den Frauen ermöglichen könnten, gleichberechtigt für ihre Freiheit zu kämpfen. Sie betonten dabei, dass sie „keine Straßenpolizei oder gar Unterstützung wollen, sondern Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit!“ (Link).

Deutschland

Auch in den Städten Deutschlands sind Frauen auf die Straße gegangen. Beispielsweise in Köln lautete das Motto: „Wir fordern die Nacht zurück!“ mit dem Blick darauf, dass „Feiern gehen“ oder auch der Heimweg bei Dunkelheit für Frauen Gefahren bergen. Auch ihnen war wichtig: Die Forderung bedeute nicht, dass Männer zukünftig ungebeten in die Rolle des Beschützers schlüpften, sondern sie kämpften als Frauen schlicht um Respekt, um solch einen Beschützer nicht zu brauchen, um sich selbst zu schützen. „Frauen, hört ihr Frauen schrei’n, lasst die Andere nie allein!“ ist deswegen eine der Parolen, die durch die Nacht getragen wurden.

Paris

„Immer und überall gegen Gewalt an Frauen!“ lautete die Leitspruch, zu der sich in Paris tausende Frauen trafen (Link). Die Proteste werden traditionell auch von linken Parteien und Gewerkschaften unterstützt. In diesem Jahr erhielten sie außerordentlichen Zulauf, unter anderem durch den Weinstein-Skandal (Link). So wurde auch der Schlachtruf der französischen Revolution angepasst: „Liberté, egalité, sororité!“ („Freiheit, Gleichheit, Schwesternschaft!“) riefen die Frauen nun. Dabei machten sie zum einen deutlich, dass auch die französische Kultur eine von Männern Dominierte ist, zum anderen war es das klare Zeichen: Die Französinnen protestieren schwesterlich, gemeinsam, füreinander und für die Frauen weltweit.