Wie die Politik den Großkonzernen Bayer und Monsanto ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk macht.

Am 27. November haben die EU-Mitgliedsstaaten die Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat um weitere 5 Jahre verlängert. Glyphosat steht unter Verdacht, nicht nur Unkraut zu vernichten, sondern auch extrem gesundheitsschädigend für den Menschen zu sein. So soll es laut „Internationaler Krebsagentur“ (IARC) wahrscheinlich krebserregend sein. 18 der 28 EU-Länder stimmten in Brüssel für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission, darunter diesmal auch Deutschland. Seit Jahren herrscht Streit über die Zulassung, sodass Entscheidungen immer wieder verschoben wurden. Nun hat sich, kurz vor Ablauf der Zulassung, dann doch eine Mehrheit durchsetzen können.

Dass diese zustande kam, lag unter anderem daran, dass Deutschland nun auch mit ‚Ja‘ gestimmt habe, anstatt sich wie bisher zu enthalten. Die Vertreter des Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) votierten wohl auf seine Anweisung ohne Absprache mit dem Umweltministerium von Barbara Hendricks (SPD). Das Landwirtschaftsministerium entschied zu Gunsten der Agrarindustrie und Chemieriesen wie Bayer und Monsanto.

Glyphosat ist Hauptbestandteil des Monsanto-Kassenschlagers „Roundup“. Bayer will Monsanto übernehmen und beschwerte sich bereits, dass die Zulassung nicht auf 15 Jahre ausgeweitet wurde. Die Entscheidung für Glyphosat ist eine Entscheidung gegen den Umweltschutz und entblößt abermals die deutsche Heuchelei. Einen grünen Kapitalismus kann es nicht geben.

Neben der möglichen Gesundheitsgefährdung für den Menschen hat Glyphosat auch zahlreiche negative Folgen für die Umwelt. Sowohl die EFSA („Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit“) als auch das deutsche „Bundesinstitut für Risikobewertung“ (BfR) stufen Glyphosat als unbedenklich ein. Untersucht werden allerdings nur die direkten Folgen von Glyphosat auf einzelne Tierarten. Die Komplexität unseres Ökosystems, in dem alles miteinander und wechselseitig aufeinander bezogen ist, und seine Empfindlichkeit werden von den sogenannten Experten nicht berücksichtigt.

Glyphosat ist jedoch für das Aussterben zahlreicher Wildpflanzen verantwortlich, die wiederum zum großen Insektensterben führen, was die natürliche Schädlingsbekämpfung und Blütenbestäubung verhindert, woraufhin noch mehr Pflanzen sterben. Der große Schock darüber, dass innnerhalb von 25 Jahren 80% der Fluginsektenpopulation eliminiert wurde, scheint bereits verflogen. Die Landwirtschaftsproduktion macht sich hierdurch immer stärker von der Chemieindustrie abhängig, sodass selbst alternative Landwirtschaft in naher Zukunft gar nicht mehr möglich wäre.

Der Alleingang Schmidts sorgte nun zwar für Zwist zwischen Union und SPD, doch ist davon auszugehen, dass dies nichts weiter ist als Geplänkel in den Verhandlungen der nächsten Großen Koalition. Der Kurs von Staat und Kapital geht mit Vollgas Richtung Umweltkatastrophe.