Polizei bekommt von Medien-Konzernen Bildmaterial über G20-Proteste – NDR und Süddeutsche stellen sich dagegen. Auch Perspektive Online schließt Zusammenarbeit prinzipiell aus.

Die Polizei bekommt Unterstüzung von Seiten der Medien. So gingen Anfragen nach Bild-Material zu Straftaten während des G20-Gipfels an den NDR, das ZDF, N24, RTL, Sat.1 und n-tv sowie mehrere Produktionsfirmen raus. Letztere gaben hochauflösende Bilder weiter. So könnten aus Überblicksaufnahmen einzelne Personen genauer erkannt werden. Die Mediengruppe RTL, zu der auch der Nachrichtenkanal n-tv gehört, hat die gesamten Sendestrecken von n-tv vom G20-Gipfel zur Verfügung gestellt: „Wenn vermeintliche Straftaten vorliegen, erachten wir es als unsere Pflicht, die Behörden zu unterstützen.“, so die RTL-Gruppe.

Insgesamt sollen die bisher eingegangenen Daten „die Größe einer mittleren dreistelligen Zahl von Gigabyte umfassen“. Setzt man die Datenrate für normales Fernsehmaterial voraus, dann entspricht dies einem Umfang von mindestens 15 Stunden – es könnte aber auch weitaus mehr sein. Die Behörden erklärten, im Einzelfall auch zu einer Beschlagnahme bereit zu sein.

Journalisten schlagen Alarm

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Würden aufgrund von unveröffentlichtem Bildmaterial von Fernsehteams Menschen verurteilt werden, hätte dies „die Konsequenz, dass Journalisten Fernsehteams, Fotografen immer dem Verdacht ausgesetzt wären, dass das aufgenommene Material gar nicht zur Berichterstattung, sondern zur Ermittlung verwendet werden könnte“, so Ralf Zimmermann von Siefart, Leiter des ZDF-Landesstudios Hamburg und Reporter beim G20-Gipfel. Während der Brokdorf-Proteste in den 80er Jahren wurden JournalistInnen aus genau diesen Gründen durch DemonstrantInnen mit Steinen angegriffen.

Auch Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) lehnt jegliche Kooperation mit der Polizei ab, da JournalistInnen „nicht die Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft“ seien.

Tim Losowski aus der Perspektive Online-Redaktion sieht das ähnlich: „JournalistInnen haben die Pflicht, ihr Material gesichert aufzubewahren und die InformantInnen zu schützen. Unsere Aufgabe muss es sein, Missstände aufzudecken, hinter die Kulissen zu blicken und Alternativen vorzuschlagen. Dafür ist es wichtig, mit sozialen Bewegungen in Verbindung zu stehen und gewährtes Vertrauen nicht zu missbrauchen. Eine Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden schließt sich deshalb für uns prinzipiell aus.“