Fast 18 Jahre nach der Tat beginnt heute der Prozess gegen den Faschisten Ralf S.

Am 27. Juli 2000 explodierte am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn eine selbstgebaute und ferngezündete Rohrbombe. Die mit 200 Gramm TNT bestückte Bombe wurde per Funk zur Explosion gebracht, als sich eine zwölfköpfige Gruppe jüdischer MigrantInnen aus der ehemaligen Sowjetunion näherte. 10 von ihnen wurden bei dem Anschlag verletzt. Eine schwangere Frau verlor dadurch ihr ungeborenes Kind.

Bereits kurz nach der Tat gab es zahlreiche Hinweise auf den stadtbekannten Faschisten Ralf S., der in der Nähe des S-Bahnhofs einen rechten Laden für Militaria betrieb und im Stadtteil immer wieder durch aggressives Verhalten und Übergriffe gegen MigrantInnen auffiel. Auch zahlreiche antifaschistische Initiativen wiesen damals immer wieder öffentlich auf die vermutliche Tatbeteiligung von Ralf S. hin. S. hatte als ehemaliger Soldat bei der Bundeswehr gelernt, wie man funktionstüchtige Bomben baut.

Die Ermittlungen der Polizei richteten sich jedoch- ähnlich wie bei den Morden und Anschlägen des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) – vor allem gegen mögliche ausländische Täter der organisierten Kriminalität („Russenmafia“). Dabei wurde Ralf S. im Jahr 2000 sogar verhört, jedoch der Verdacht gegen ihn bald wieder fallen gelassen.

Nachdem die Ermittlungen bereits vor Jahren eingestellt wurden, sind sie vor mehr als einem Jahr erneut aufgenommen worden. Als Ralf S. wegen anderer Taten im Gefängnis saß, soll er vor einem Mithäftling mit der Tat geprahlt haben. Dieser ging daraufhin zur Polizei und der Fall wurde wieder aufgerollt.

Auch die ehemalige Freundin von Ralf S. bestätigte inzwischen, dass sie ihm damals ein falsches Alibi gegeben habe, nachdem er sie massiv unter Druck gesetzt hätte. Bis kurz vor dem Anschlag arbeitete zudem ein V-Mann des Verfassungsschutzes für S.