„YPG“ schlägt türkische Boden-Invasion zurück – und macht Russland für das Massaker mitverantwortlich.

Seit gestern gegen 16 Uhr bombardiert die türkische Luftwaffe das kurdische Gebiet Afrin an der nordsyrischen Grenze. Bei den Angriffen wurden laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF über 100 Ziele von 72 Kampfjets beschossen, darunter auch verschiedene Wohnbezirke der Stadt. Erste Berichte sprechen davon, dass mindestens 13 Menschen verletzt und 9 Menschen getötet wurden. Die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu spricht von ausschließlich militärischen Toten. Unter den Getöteten seien jedoch laut kurdischer Seite die Mehrzahl Zivilisten, auch ein siebenjähriger Junge ist dabei.

Währenddessen versuchten türkische Armeeeinheiten sowie von ihnen kontrollierte Milizen die Grenze nach Afrin in den Dörfern Kurdo and Balia zu überqueren. Dabei wurden sie von den Kämpfern der kurdischen Volks- und Frauen-Verteidigungseinheiten „YPG“ und „YPJ“ zurückgeschlagen. Derweil rief das YPG-Generalkommando auch die kurdische Jugend auf, sich den Reihen der YPG gegen die „faschistische türkische Invasion“ anzuschließen.

Member Karayilan, Exekutivrats-Mitglied bei der kurdischen Partei PKK, erklärte dazu: „Wir kennen diesen Staat sehr gut, denn wir bekämpfen ihn seit den letzten 35 Jahren. Der türkische Staat ist nicht in der Lage, in Afrin einzudringen. Aber er wird kämpfen. Denn der türkische Staat sieht sich damit konfrontiert, alles zu verlieren, wenn er nicht kämpft.“ Die PKK kündigte Unterstützung für die YPG an.

YPG-Kommando macht Russland mitverantwortlich

Kurz vor der Bombardierung hatte Russland seine Soldaten aus der Region Afrin zurückgezogen. Die YPG warf Russland vor, sich damit als krimineller Partner der Türkei zu verhalten. Sie seien mitverantwortlich für die Massaker an Zivilisten in der Region. Die USA erklärten, sie habe „keine Truppenpräsenz in dieser Region“.

Bisher haben die kurdische Seite um die Partei PYD sowie die zehntausend Männer und Frauen starke Miliz YPG/YPJ mit beiden Seiten immer wieder im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) zusammengearbeitet. Die Kurden stellten im Kampf um Kobane und später um Rakka und Manbij die Hauptkraft im Kampf gegen den IS. Seitdem haben sie sich im Norden Syriens (kurdisch „Rojava“) ein Autonomiegebiet erkämpft, in dem sie versuchen, eine demokratische Gesellschaft aufzubauen. Das Kanton Afrin ist dabei von den anderen beiden Gebieten Kobanê und Cizîrê durch einen von anderen Mächten kontrolliertes Gebiet getrennt. In der Region Afrin leben rund 1 Million Menschen, darunter tausende Flüchtlinge aus anderen syrischen Gebieten.

Die türkische Invasion kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem der islamische Staat innerhalb Syriens bereits weitgehend besiegt ist, und der Kampf um die Neuordnung Syriens in vollem Gange ist. Die Türkei erklärte nach ihrem Überfall auf Afrin, nun nach Manbij vorrücken zu wollen .”