Faschistischer Netzwerker Steven Bannon wirft dem Präsidentenumfeld in neu erschienenem Buch „Landesverrat“ vor. – Eine Zusammenfassung von Thomas Stark

Das Bündnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Steven Bannon, Chef des ultrarechten Nachrichtenblogs „Breitbart News“ ist offenbar zerbrochen. (Link). Nachdem Bannon bereits im August das Weiße Haus und seinen dortigen Posten als „Chef-Stratege“ räumen musste, kam es nun zum öffentlichen Showdown zwischen ihm und dem Präsidenten.

In dem in der vergangenen Woche erschienenen Buch „Fire and Fury“ (deutsch: „Feuer und Zorn“) des Journalisten Michael Wolff erhebt Bannon schwere Vorwürfe gegen Trump und sein Umfeld. Kernpunkt seiner Aussagen gegenüber Wolff: Er bekräftigt die Anschuldigung, der innerste Zirkel um Trump, darunter dessen Sohn Donald jr., habe im Präsidentschaftswahlkampf 2016 durch eine geheime Zusammenarbeit mit dem russischen Staat „Landesverrat“ begangen. Diese Zusammenarbeit ist Gegenstand einer Sonderermittlung im Auftrag des US-Justizministeriums, die durch den ehemaligen FBI-Direktor Robert Mueller geleitet wird.

Konkret geht es in Bannons Darstellung unter anderem um ein Treffen im Juni 2016 zwischen Donald jr., Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Wahlkampfleiter Paul Manafort mit der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaya im New Yorker Trump Tower, welches die „New York Times“ ein gutes Jahr später aufdeckte.

Trump jr. sah sich im vergangenen Sommer genötigt, seine Email-Korrespondenz mit dem Geschäftsmann Rob Goldstone zu veröffentlichen. Goldstone hatte Trump jr. darin mitgeteilt, der russische Staat wolle Trumps Kampagne mit belastendem Material („hochrangige sensible Informationen“) über dessen Gegenkandidatin Hillary Clinton versorgen. Trump jr. hatte dieses Angebot mit den Worten „I love it“ beantwortet – anstatt das FBI darüber zu informieren. (Link). Etwas später vermittelte Goldstone das besagte Treffen mit Veselnitskaya, die er als „russische Regierungsanwältin“ ankündigte (Link).

Auszüge aus Wolffs Buch, die der britische „Guardian“ vorab veröffentlichte, stellen nun Bannons Sicht auf die Russland-Kontakte dar: „Die drei ranghohen Herren in der Kampagne dachten, es wäre eine gute Idee, sich mit einer ausländischen Regierung im Trump Tower im Konferenzraum im 25ten Stock zu treffen – ohne Anwälte.“ Und weiter: „Selbst, wenn Sie denken sollten, dass dies nicht verräterisch, oder unpatriotisch, oder böse Scheiße wäre, und ich denke, dass es all das ist, hätten Sie sofort das FBI rufen müssen.“ (Link) Bannon zeigte sich demzufolge auch überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit „bei Null läge“, dass Donald jr. seinen Vater (dessen Büro im 26ten Stock des Trump Towers lag) nicht über das Gespräch informiert habe. Seine Schlussfolgerung in Bezug auf die Sonderermittlung: „Sie werden Don jr. im nationalen Fernsehen wie ein rohes Ei aufschlagen.“

Ferner richte sich das Interesse von Sonderermittler Mueller laut Bannon auf Geldwäsche in Trumps Umfeld. Während Ex-Wahlkampfchef Manafort bereits deswegen angeklagt ist, würde sich die Aufmerksamkeit nun auf Schwiegersohn Kushner, dessen Immobilienfirma und ihre Verbindungen mit der Deutschen Bank konzentrieren. Der Sonderermittler hatte die Deutsche Bank, die Trump und seinen Familienclan seit langem mit Krediten finanziert, Anfang Dezember vorgeladen und die Herausgabe von Dokumenten verlangt – was Trump zunächst bestritten hat (Link).

Wolffs Buch führt seit seinem Erscheinen die US-Bestsellerlisten an – wozu die heftige Reaktion Trumps beigetragen haben dürfte, der Wolff und Bannon in einem offiziellen Statement der Lüge bezichtigte und äußerte, Bannon habe mit seinem Job auch „seinen Verstand verloren“ (Link). Aus den Interviews mit „mehr als 200 Personen“, die Wolff angibt, geführt zu haben, gehen viele skandalträchtige Schilderungen über die Zustände im Weißen Haus unter Trump hervor. Dieser habe demnach eigentlich nicht wirklich Präsident werden, sondern die Wahl knapp verlieren und mit der Kampagne seine TV-Karriere fördern wollen. Selbst enge Mitarbeiter hielten ihn für „dumm“ und „inkompetent“. Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner würden ihn demnach eiskalt für ihre persönlichen Ziele ausnutzen (Link). Diese Bewertung mag sicher zu einseitig und oberflächlich sein, gibt einem – bezogen auf den US-amerikanischen Präsidenten – aber sicher zu denken.

Bannons Äußerungen und ihre Auswirkungen auf die Ermittlungen dürften insgesamt jedoch den schwerwiegendsten Teil von Wolffs Veröffentlichung ausmachen und Bestrebungen zur Amtsenthebung Trumps neue Munition liefern. Welche Konsequenzen der öffentliche Bruch zwischen dem Präsidenten und Strippenzieher Bannon für die rechte Bewegung in den USA hat, ist derzeit noch ebenso unklar wie die Motive des letzteren.
Die Milliardärsfamilie Mercer, die sowohl „Breitbart“ finanzierte als auch Trumps Wahlkampf mit Spenden und Personal unterstützt hat, distanzierte sich von Bannon. Dieser selbst versicherte in einem persönlichen Statement im Radiokanal von Breitbart seine Unterstützung für Trump (Link) und hat seinen öffentlichen Angriff gegen Trump jr. zurückgenommen (Link). Ob er damit seine Rolle im rassistisch verstandenen „Krieg gegen die gegenwärtigen Eliten“ behaupten kann, oder ob er sich „auf dem Schlachtfeld selbst in die Luft gejagt hat“, wie es das Magazin „The New Yorker“ kommentiert (Link) – das bleibt abzuwarten.