Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert ersatzlose Streichung

Termin beim Jobcenter verpasst – Hartz IV gekürzt. Solche oder ähnliche Sanktionen wurden in den ersten neun Monaten 2017 genau 718.803 mal verhängt. Das ist ein Anstieg um zwei Prozent zu Vorjahr wie ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg sagte. Hintergrund der Steigerung der sei laut BA, dass dass die Zahl der Hartz-IV-Empfänger binnen Jahresfrist um etwa 18 000 auf rund 4,3 Millionen gewachsen sei – obwohl die Arbeitslosigkeit so niedrig ist wie lange nicht.

70.000 Menschen betroffen

Die Anzahl der von Sanktionen betroffenen Menschen stieg im Vergleich zum Vorjahr um etwa 6700 auf knapp 70.000. Die Zahl der Betroffenen ist niedriger als die Zahl der Sanktionsfälle, da manche Hartz-IV-Empfänger gleich mehrfach sanktioniert werden. Im Schnitt wurden den Betroffenen die Leistungen um 108 Euro gekürzt. 7342 Hartz-Empfänger erhielten gar keine Geldleistungen mehr, weil gegen sie mehrere Sanktionen gleichzeitig verhängt wurden.

„Dransalierung und Ausdruck sozialer Ignoranz“

Der Paritätische Wohlfahrtsverband – ein Zusammenschluss hunderter sozialer Einrichtungen – kritisiert die Sanktionen grundsätzlich: „Hinter jeder dieser Strafmaßnahmen steckt ein Einzelschicksal. Menschen, die ohnehin am Existenzminimum leben, werden dadurch noch weiter in die Not gedrängt. Sanktionen sind keine pädagogischen Antworten, sondern lediglich Drangsalierung und häufig Ausdruck sozialer Ignoranz“ so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Der Verband fordert die ersatzlose Streichung von Hartz IV-Sanktionen.