Kämpfe von ArbeiterInnen gegen unzumutbare Bedingungen bei der Arbeit, aber auch im alltäglichen Leben, werden in Deutschland in den letzten Jahren nur sehr vereinzelt geführt. Wir haben das „Solidaritätsnetzwerk“ interviewt, eine junge Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Kämpfe zu führen und zu verbinden.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind eine Gruppe von ArbeiterInnen, Arbeitslosen, Auszubildenden, Studierenden und SchülerInnen. Wir haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam unsere Interessen zu verteidigen und durchzusetzen. Als Teile der ArbeiterInnenklasse haben wir in unserem alltäglichen Leben oft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. So sind wir auch immer wieder betroffen von Angriffen durch Unternehmer, Vermieter oder Ämter. Mieterhöhungen, Kündigungen und Hartz IV-Maßnahmen können letztendlich uns alle treffen.

Als Einzelpersonen sind wir diesen Angriffen meist schutzlos ausgeliefert. Deshalb wollen wir uns gegenseitig solidarisch dabei unterstützen, dagegen Widerstand zu leisten. Wir bauen dabei auf unsere eigene kollektive Kraft, anstatt uns von anderen Leuten vertreten zu lassen und einfach unsere Stimme abzugeben. Die Grundlage dafür muss sein, dass wir uns aktiv nicht nur an unseren eigenen, sondern auch an den Kämpfen unserer Klassengeschwister beteiligen.

Ihr wollt also gemeinsame Kämpfe für eure Interessen führen. Wie geht ihr dabei vor?

Unsere Organisation befindet sich noch im Aufbau.Wir haben einen Kampf in Freiburg geführt. Dabei ging es um den Mobilfunkkonzern „Debitel“, der dafür bekannt ist, immer wieder seine KundInnen abzuzocken. Durch direkte Aktionen vor mehreren Debitel-Filialen haben wir gegen die ungerechte Behandlung eines Menschen protestiert. Debitel hat dadurch seine Zahlungsforderungen gegenüber der betroffenen Person schon verringert!

Wir wollen uns weiter vernetzen, denn je mehr Menschen sich uns anschließen, desto höher wird der Druck auf die Unternehmen, Vermieter oder Ämter. Nur so können wir unsere Interessen wirklich durchsetzen.

In eurem Selbstverständnis schreibt ihr, dass ihr ein Zusammenschluss von ArbeiterInnen, Arbeitslosen, Frauen, MigrantInnen und Jugendlichen, seid. Was hat es mit dieser Aufzählung auf sich?

Wie schon gesagt sind wir ein Zusammenschluss, um unsere gemeinsamen Interessen zu verteidigen und durchzusetzen. Als ArbeiterInnen und Arbeitslose sind wir Teil der ArbeiterInnenklasse und haben damit gemeinsame Interessen. Dennoch gibt es innerhalb unserer Klasse verschiedene Gruppen, die nochmal besondere Probleme und Interessen haben.

Frauen, die immerhin die Hälfte der ArbeiterInnenklasse ausmachen, werden nicht nur als ArbeiterInnen von den Unternehmern ausgebeutet, sondern werden zusätzlich noch aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt. Auf der Arbeit wird ihnen weniger zugetraut, nach der Arbeit warten dann noch Haushalt und Kinder, und Belästigungen sind trauriger Alltag für viele Frauen.
MigrantInnen arbeiten häufig in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen. Sie haben mit Rassismus am Arbeitsplatz und im Alltag zu kämpfen.

Auch Jugendliche spielen eine besondere Rolle. Ausbildungen, Praktika oder Nebenjobs, die häufigsten Tätigkeiten von Jugendlichen, sind oftmals schlecht oder gar nicht bezahlt und zusätzlich befristet. Andererseits sind viele Jugendliche noch sehr widerspenstig und nehmen diese Zustände nicht einfach hin. Wir wollen uns zudem vor allem dort zusammenfinden und vernetzen, wo wir den Großteil unseres Lebens verbringen, in den Stadtteilen und Vierteln, in denen wir wohnen und leben. Auch hier wollen wir kollektive Kämpfe entfalten und unsere Interessen gemeinsam durchsetzen.

Das Solidaritätsnetzwerk ist keine lokale Initiative. Wo seid ihr überall aktiv? Wie kann man bei euch mitmachen?

Bisher gibt es Solidaritätsnetzwerke in Berlin, Cottbus, Freiburg und Köln. Wir sind erreichbar über die Homepage www.soli-net.de und die lokalen Facebook-Seiten von „Solidaritätsnetzwerk“. Jede Einzelperson oder Initiative, die das Gefühl hat, mit den alltäglichen Kämpfen allein gelassen zu sein, kann sich bei uns melden.

Du bist nicht allein! Lass dich nicht für dumm verkaufen, viele deiner Nachbarn sitzen genauso im Elend wie du. Wenn wir zusammenkommen, schmeißt uns niemand mehr einfach aus der Wohnung und Job oder zieht uns beim Amt ab. Gemeinsam werden wir nach Lösungen suchen und uns in dem Kampf gegenseitig unterstützen!