Bereits fünf Kältetote diesen Winter. Wohnungslosenhilfe: „Niemand soll unfreiwillig auf der Straße leben müssen“

Es war die kälteste Nacht in Deutschland: In Hamburg lagen die Temperaturen teilweise bei minus 15° Celsius. Viele Notschlafstätten hatten für Obdachlose geöffnet, doch nicht alle wurden erreicht. Erneut ist gestern ein Obdachloser erfroren. Wie die „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ (BAG W) gegenüber Perspektive Online bestätigte, war es bereits der fünfte Kältetote in diesem Winter. Bis Dezember waren bereits drei Kälteopfer festgestellt worden.

Insgesamt geht die BAG W davon aus, dass in Deutschland in diesem Jahr 52.000 Menschen ganz ohne Unterkunft auf der Straße leben – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Diese Menschen seien der Kälte besonders schutzlos ausgeliefert und damit auch besonders gefährdet.

„Der Kältetod von wohnungslosen Menschen muss verhindert werden! Niemand soll unfreiwillig auf der Straße leben müssen“, forderte Werena Rosenke, Sprecherin der BAG Wohnungslosenhilfe. „Aufgrund der steigenden Zahl wohnungsloser Menschen auf der Straße befürchten wir, dass die Unterbringungskapazitäten in vielen Kommunen nicht ausreichend sind. Wir befürchten auch, dass ausländische Hilfesuchende von den Kommunen zurückgewiesen werden. Dies wäre allerdings rechtswidrig“, sagte Rosenke. In Hamburg kam es jedoch bereits dazu. So wird z.Zt. beim Hamburger „Winternotprogramm“ denjenigen, die aus Osteuropa kommen, der Schlafplatz verwehrt.

Seit 1991 sind nach Schätzungen der „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.“ (BAG W) mindestens 289 Menschen im Winter erfroren. Die Zahl beruht dabei auf einer Schätzung, bei der verschiedene Quellen ausgewertet wurden, unter anderem Medienberichte. Die Bundesregierung führt weder eine offizielle Statistik zu Kälte-Toten, noch zur – eigentlich einfach ermittelbaren Anzahl – vollstreckter Zwangsräumungen oder zur Anzahl von Obdachlosen insgesamt. Besonders die CDU/CSU-Fraktion wehrt sich dagegen.