Neumarkt wegen Manövers mit hunderten Beamten gesperrt

Straßensperren, Sichtschutzzäune, bewaffnete PolizistInnen: Wer sich am Sonntagmorgen in die Nähe des Kölner Neumarkts begeben wollte, wurde ZeugIn unwirklicher Szenen. Doch was die Polizei mitten im Stadtzentrum der Rheinmetropole aufführte, war keine Razzia und kein echter Bürgerkrieg, sondern eine geplante Übung.

500 Beamte probten laut der Zeitung Express seit dem frühen Morgen einen „Anti-Terror“-Einsatz rund um die beliebte Einkaufspassage „Neumarkt-Galerie“. Nach Polizeiangaben sollten dabei Situationen ähnlich der Anschläge von Paris, Brüssel oder London nachgespielt werden: „Das Szenario: Plötzlich fallen Schüsse! Terroristen haben das Kaufhaus in ihre Gewalt gebracht, Geiseln genommen und schießen um sich. Wie viele Verletzte es gibt, ist noch unklar.“.

Damit es noch realistischer wurde, hätten sich die Ladenbesitzer der Einkaufspassage „bereit erklärt“, am Sonntag exklusiv für die Polizei zu öffnen. Damit es aber nicht zu realistisch wurde, benutzten die Polizisten nur farblich markierte Trainingswaffen mit Platzpatronen statt scharfer Dienst-Munition. Die Öffentlichkeit war ohnehin ausgesperrt. Neben Polizeieinheiten aus dem gesamten Kölner Stadtgebiet seien noch Spezialeinsatzkommandos (SEK) und 50 bis 80 „professionelle Beobachter“ an dem Manöver beteiligt gewesen. Passanten, Geiseln und Verletzte seien von Polizeischülern gespielt worden.

Öffentlichkeitswirksame polizeiliche Ausnahmezustände sind in Köln mittlerweile keine Seltenheit mehr. Bereits zu Silvester 2016 und 2017 hatten Großaufgebote von Einsatzkräften die Gebiete rund um den Dom und die Altstadt besetzt und teilweise Brücken gesperrt. Danach hatte es Vorwürfe gegeben, PolizistInnen hätten PassantInnen nach rassistischen Kriterien sortiert und eingekesselt. Ob die Polizei mit der neuerlichen Großübung einen Gewöhnungseffekt an Ausnahmezustände in der Bevölkerung anstrebt, geht aus den offiziellen Verlautbarungen nicht hervor. Einzelheiten zur Polizeitaktik blieben dort ebenfalls unerwähnt.