„World Inequality Report“ veröffentlicht

In den letzten Jahrzehnten hat die Einkommensungleichheit in fast allen Ländern zugenommen. Das geht aus dem neuen „World Inequality Report“ der École d’Économie de Paris hervor, der die Einkommensentwicklung weltweit in den letzten Jahrzehnten nachvollzogen hat. Dabei spielt gerade die Privatisierung öffentlichen Eigentums eine wichtige Rolle. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Seit 1980 ist die Einkommensungleichheit in Nordamerika, China, Indien und Russland rasant gestiegen. In Europa verlief der Anstieg moderat. Betrug 1980 der Anteil des obersten 1 Prozents der Einkommensbezieher am Gesamteinkommen in den USA und Europa noch knapp 10%, so stieg er bis 2016 in Westeuropa nur leicht auf 12%, während er in den USA auf 20% emporschoss. 2016 vereinten in den USA die obersten 10% der Einkommensbezieher 47% des Nationaleinkommens auf sich; 1980 waren es nur 34%.
  • Das oberste 1% der Einkommensbezieher weltweit hat doppelt so stark von Wachstum profitiert wie die ärmeren 50% der Weltbevölkerung. Der Anteil des weltweit obersten 1% am Gesamteinkommen stieg zwischen 1980 und 2000 von 16% auf 22%, fiel danach jedoch wieder leicht auf 20%. Der Anteil der weltweit unteren 50% hat sich seit 1980 bei rund 9% eingependelt. Die Trendwende nach 2000 erklärt sich laut den Autoren der Studie aus der Abnahme der durchschnittlichen Einkommensungleichheit zwischen den Ländern, während die Ungleichheit innerhalb der Länder weiter zunimmt.
  • Laut der Studie wurden seit 1980 in fast allen Ländern – reiche Industrieländer genauso wie Schwellenländer – riesige Mengen an öffentlichem Vermögen in private Hände transferiert. Während das Volksvermögen also stark gestiegen ist, liegt das öffentliche Vermögen in den reichen Ländern heute nahe Null oder im negativen Bereich.
  • Die privaten Nettovermögen sind in den letzten Jahrzehnten allgemein gewachsen, von 200-350% des Nationaleinkommens in den meisten reichen Ländern im Jahr 1970 auf heute 400-700%. Umgekehrt ist das öffentliche Nettovermögen (d.h. die öffentlichen Vermögenswerte abzüglich der Staatsschulden) seit den 1980er Jahren in fast allen Ländern gesunken. In Großbritannien und den USA ist das öffentliche Nettovermögen in den letzten Jahren sogar in den negativen Bereich abgerutscht; in Japan, Deutschland und Frankreich ist es nur leicht positiv.

Der Bericht basiert letztlich auf Daten, die von mehr als 100 „WID-Fellows“ auf fünf Kontinenten erhoben, erstellt, vereinheitlicht und in die „World Wealth and Income Database“ eingepflegt wurden.