Sexualisierte Gewalt beim „Weißen Ring“ in Lübeck

Mit über 50.000 Mitgliedern und über 420 Außenstellen hat sich der „Weiße Ring“ unter anderem für Opfer häuslicher Gewalt als Anlaufstelle etabliert. Doch nun steht der Vorwurf im Raum, der Chef der Lübecker Außenstelle, Detlef Hardt, habe hilfesuchende Frauen sexuell bedrängt.

Mindestens zwölf Frauen beschuldigen Hardt, der Anfang des Jahres zurückgetreten war, sie 2016 sexuell und psychisch bedroht zu haben. Er habe sich ihnen körperlich genähert und ihre Notsituation ausgenutzt sowie den Vorschlag eröffnet, sich durch Prostitution Geld dazu zu verdienen.

Bekannte, Kollegen und viele Lübecker scheinen etwas gewusst zu haben – dennoch schwiegen sie. Funktionäre aus Politik und Stadtgeschehen standen Hardt nahe und verkehrten mit ihm. Bereits 2006 und 2012 hatte es Hinweise auf sexuelle Übergriffe Hardts auf Frauen gegeben. Diese reichten jedoch für weitere Ermittlungen nicht aus.

Schon damals konfrontierte der Ortsverband Detlef Hardt mit den Beschwerden, ohne großen Erfolg. Auch der Lübecker Frauennotruf schritt nicht konsequent ein – in der Hoffnung auf Besserung? Aus Furcht? Nun schweigen viele – womöglich aus Angst und um Gesicht und Stellung zu wahren.

Hardt spricht von Missverständnissen, wirft den betroffenen Frauen sogar Lügen vor. Mittlerweile laufen zwei Anzeigen wegen Verdachts auf sexuelle Nötigung gegen Hardt, er selbst klagt seinerseits wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung und Verleumdung.

Mittlerweile hat sich auch der Bundesvorstand des Weißen Rings geäußert. „Ich schäme mich“, so die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter. Laut Müller-Piepenkötter habe der Landesverband Schleswig-Holstein zunächst „zögerlich und völlig unangemessen“ reagiert. Die Spitze ist dort mittlerweile zurückgetreten.

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