Kurze Berichte über einige Protestaktionen weltweit

Wie jedes Jahr haben Frauen auf der ganzen Welt den internationalen Kampftag der Frau gefeiert und mit Aktionen des Widerstands begangen. Besonders in diesem Jahr wurde der 8. März zum internationalen Frauenstreiktag – Millionen Frauen auf der ganzen Welt haben ihre Arbeit niedergelegt. Und selbst unter widrigsten Umständen gelang es Frauen, Proteste durchzuführen. Im Folgenden eine Auswahl kurzer Berichte, wie der Frauentag weltweit aussah.

Deutschland: „Feminismus bedeutet Widerstand!“
Neben unzähligen kleineren und größeren Kulturveranstaltungen und Kundgebungen haben bundesweit mehr als 20 Demonstrationen stattgefunden. Inhaltliche Schwerpunkte dieser waren die finanzielle Benachteiligung von Frauen im patriarchalen System, die Einschränkung der Selbstbestimmung über den eigenen Körper und Gewalt an Frauen. In einem Aufruf heißt es: „Wir kritisieren patriarchale Strukturen und eine an Profitmaximierung orientierte Gesellschaft ebenso wie die Ideologie, nach der jede Person ihres eigenen Glückes Schmiedin sei.“. Weite Teile der feministischen Bewegungen haben am 8. März nicht nur dem Patriarchat, sondern auch dem Kapitalismus den Kampf angesagt. [Youtube-Video Düsseldorf]

Spanien: „Feministische Selbstverteidigung. Organisieren wir die Wut“
Ziel der Frauen war es, Spanien mittels eines Streiks lahm zu legen. Teils ist das gelungen: Mehr als 5 Millionen Frauen sind den Aufrufen zu Arbeits-, Uni-, Konsum- und Pflegestreik gefolgt. Und damit bewirkten sie unter anderem massive Einschränkungen im Zugverkehr. Der Streik traf auf hohe Anerkennung in der Bevölkerung: Rund 82 % konnten die Streikgründe nachvollziehen. Auch zahlreiche Protestaktionen wurden durchgeführt. So versammelten sich hunderte Frauen an Einkaufsstraßen, um dort gemeinsame „Mittagessen“ zu veranstalten und das Normalprogramm zu durchbrechen. Unter anderem bei diesen Blockaden kam es zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Italien: #wetoogether – globaler Frauenstreik!
Frauen in Italien haben sich erfolgreich am internationalen Frauenstreiktag beteiligt. Vor allem Logistik-Unternehmen wurden durch Streiks massiv gestört, aber auch der öffentliche Nahverkehr wurde, von Gewerkschaften begleitet, bestreikt. Es fand währenddessen eine ganztägige Kundgebung von Arbeiterinnen in Mailand statt. Eine Vielzahl an Demonstrationen hatte die argentinische Parole „Nicht eine weniger!“ übernommen und gegen Femizide protestiert.

Frankreich: „Gleichberechtigung, jetzt!“
Um 15:40 waren Frauen in Frankreich aufgefordert, jede Arbeit niederzulegen. Dann hätten sie den Teil der Arbeit erledigt, der durchschnittlich ihrer Entlohnung im Vergleich zu Männern entspricht. Die gewonnene Zeit nutzten Frauen zu Demonstrationen im ganzen Land. Tausende beteiligten sich an kämpferischen Aufzügen, bei denen vor allem das Recht auf Bestimmung über den eigenen Körper im Mittelpunkt stand. Präsident Macron hatte zu Beginn seiner Amtszeit verkündet, die Berechtigung von Frauen und Mädchen sei eine der Prioritäten der Regierung. Am 8. März haben zahlreiche Frauen und Mädchen gezeigt, dass sie ihre Befreiung vor allem selbst in die Hand nehmen möchten.

Brasilien: „Für das Leben der Frauen, Souveränität und Demokratie!“
In Brasilien haben sich zehntausende Frauen in zahlreichen Städten im ganzen Land zu Streiks und Demonstrationen versammelt. Einer der größeren Streiks wurde von der Gewerkschaft „CUT“ begleitet. Rund 800 Frauen protestierten vor den Druckereien des „Globo“-Konzerns. Dieses Medienhaus ist dafür bekannt, mit rechtspopulitischen und faschistischen Organisationen zu kooperieren und dominiert damit die brasilianische TV-Landschaft. Weitere Proteste richteten sich gegen die rechte, unsoziale Politik und brachten zum Ausdruck, dass unter dieser vor allem Frauen und Rentnerinnen leiden.

Türkei
Einige Tage vorher war eine Versammlung von Frauen in Ankara gewaltsam zerschlagen worden, es kamen Gummigeschosse zum Einsatz. Unter den 1500 Aktivistinnen gab es 18 Festnahmen. Und dennoch waren am Frauenkampftag tausende Frauen unerschrocken auf den Straßen Ankaras, um vor allem gegen die frauenfeindliche Politik Erdogans zu protestieren. Weitere 10.000 Frauen reisten gemeinsam an die türkisch-syrische Grenze. Dort hielten sie eine Art Mahnwache ab. Ihr Ziel war, den Menschen ins Gedächtnis zu rufen, wie Frauen im dortigen Bürgerkrieg leiden.

Auch in Afrin, dem Kanton, der seit 60 Tagen gegen die türkische Armee verteidigt wird, haben Frauen ihren Kampftag gefeiert. Ebenso wurde auf Demonstrationen in zahlreichen weiteren Ländern, darunter Deutschland, Argentinien, Frankreich und Italien der dort kämpfenden Frauen und Gefallenen gedacht.