Wie schnell Menschen, die sich für eine bessere und gerechtere Welt einsetzen, verhaftet werden, zeigt das aktuelle Beispiel der JournalistInnen aus der Türkei (Link). Ein anderer Fall ist das Schicksal des australischen Antifaschisten Jock Palfreeman, der in der bulgarischen Hauptstadt Sofia seit nun neun Jahren im Gefängnis sitzt.

Angriff auf unbeteiligten Roma

Palfreeman besuchte im Dezember 2007 mit einigen Freunden Sofia, um dort die Weihnachtsfeiertage zu verbringen. In der Nacht zum 28. Dezember befanden sie sich auf der Suche nach einem Club, bemerkten allerdings eine Gruppe von fünfzehn Personen, die von einem Bekannten als Anhänger des Fußballvereins Levski Sofia identifiziert wurden. Die Ultras dieses Vereins fielen in der jüngsten Vergangenheit durch Spruchbänder im Stadion auf, auf denen sie den Geburtstag Adolf Hitlers gefeiert haben und antisemitische Parolen zeigten (Link). Diese Neonazis griffen einen jungen Roma an, jagten ihn, brachten ihn zu Boden und schlugen auf ihn ein (Link). Jock Palfreeman sah sich gezwungen einzugreifen und stieß die Angreifer beiseite und zog ein Messer, um die Personengruppe zu verängstigen. Als der Roma fliehen konnte, griffen sie Palfreeman an, bewarfen ihn mit Steinen und schlugen ihn bewusstlos. Am Ende der Auseinandersetzung ist einer der Angreifer durch einen Messerstich tödlich verletzt worden.

20 Jahre Haft

Obwohl nie eindeutig bewiesen werden konnte, dass Palfreeman den tödlichen Messerstoß ausführte, wurde er im Jahre 2009 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Vor dem Gericht wurde der Angriff auf den jungen Roma als Tathergang nicht akzeptiert und Palfreeman als „Psychopath“ und „professioneller Killer“ diskreditiert (Link). Obwohl der Ablauf der Ereignisse, wie sie von Palfreeman beschrieben wurden, durch Videoaufnahmen, forensische Untersuchungen, psychologische Gutachten, Augenzeugenberichte und Aussagen der Polizei bestätigt wurden, hat das Gericht ihn wegen vorsätzlichem Mord und versuchtem Mord verurteilt. Er habe den Angriff ohne vorhergehende Provokationen der Gruppe durchgeführt. Der Vater der getöteten Person ist ranghoher Mitarbeiter der Regierung und war früher für die bulgarische Polizei tätig .

Bulgarische Gefangenenvertretung

Jock Palfreeman arbeitet trotz der Schikanen der Haftbedingungen, wie z.B. Isolationshaft oder Gewalt durch Polizeibeamte, an seinem Geschichts- und Politikstudium und ist in seinem Zellenblock in der Gefangenenvertretung engagiert. Er soll unter seinen Mithäftlingen für seinen Gerechtigkeitssinn bekannt sein und hilft anderen Personen beim Verfassen von Zeugenaussagen oder Beschwerden und ist teilweise selbst als Zeuge bei Zellendurchsuchungen anwesend (Link). Er hofft durch seine Arbeit die Solidarität unter den Gefangenen zu steigern und der Vereinzelung entgegenzuwirken.