In 19 von 20 Großstädten liegt der Mindestlohn unter den Lebenshaltungskosten

Eigentlich sollte der Mindestlohn, der seit 2015 gilt, Armut bekämpfen. Doch die Anzahl derjenigen, die trotz Vollzeitstelle aufstocken müssen, ist kaum gesunken: 2017 waren laut einer Studie des „WSI“ (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans Böckler-Stiftung) noch immer mehr als 190 000 Beschäftigte zusätzlich auf Hartz IV angewiesen.

Nach Ansicht der Autoren der Studie dürften dafür unter anderem die rasant steigenden Mieten in vielen Städten verantwortlich sein. Nach ihren Berechnungen wären in 19 der 20 größten deutschen Städte Stundenlöhne oberhalb von 8,84 Euro notwendig, damit alleinlebende Beschäftigte mit der durchschnittlichen tariflichen Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden ohne zusätzliche Leistungen vom Amt über die Runden kommen können.

Besonders hoch sind die Werte in München, Köln und Bonn. Hier gehen die Forscher davon aus, dass ein Mindestlohn von 12,77€, 11,20€ und 10,84€ notwendig sei, um auf Hartz IV-Niveau leben zu können.

2016 lag der deutsche Mindestlohn bei 46,7 Prozent des Medianlohns – was im internationalen Vergleich einem Platz im unteren Drittel entspricht.