Mark Carney vergleicht Digitalisierung mit Industrialisierung vor 150 Jahren

Massive Arbeitsplatzverluste durch Digitalisierung könnten zu einem Wiederaufstieg des Marxismus führen. Davon geht zumindest Mark Carney, Gouverneur der englischen Zentralbank „Bank of England“ aus. So könnte die Automatisierung von Millionen an Arbeitsplätzen zu Massenarbeitslosigkeit und Lohn-Stagnation führen. Dies wiederum könnte den Kommunismus als Alternative binnen einer Generation zu einer bedeutenden Kraft machen: „Marx und Engels könnten wieder relevant werden“, so der 53-jährige.

Digitalisierung führt dazu, dass Jobs überflüssig werden

Insbesondere könnten Entwicklungen wie künstliche Intelligenz und „Big Data“ zu enormen Ungleichheiten innerhalb der ArbeiterInnenschaft führen. So würde es auf der einen Seite weinige hochqualifizierte ArbeiterInnen geben, die von den Fortschritten profitieren könnten, und auf der anderen Seite solche, deren Qualifikationen nicht mehr benötigt würden.

Heute könne man feststellen, dass nicht nur einfache manuelle Tätigkeiten, sondern auch kompliziertere Aufgaben an Maschinen abgegeben würden.

So würden Anwaltskanzleien bereits künstliche Intelligenz nutzen, um Dokumente zu durchforsten und Beweise zu lesen, was traditionell von den jüngeren Anwälten geleistet wurde. Auch bei Banken würde heute eine Kombination aus künstlicher Intelligenz und Big Data genutzt, um große Teile der Kundendienstabteilungen zu automatisieren, was bereits zu Arbeitsplatzabbau in diesen Bereichen geführt hätte. Selbstfahrende Autos würden außerdem Aufgaben wie Taxi- oder LKW-Fahren in Zukunft in Frage stellen.

Die neue industrielle Revolution

Carney verglich die heutige Situation mit der der industriellen Revolution vor 150 Jahren: „Wenn man Textilfabriken durch Plattformen, Dampfmaschinen durch maschinelles Lernen, den Telegrafen durch Twitter ersetzt, hat man genau die gleiche Dynamik wie vor 150 Jahren – als Karl Marx das Kommunistische Manifest schrieb.“

Eine wirkliche Perspektive jenseits von Marx und Engels schlägt er jedoch nicht vor. Er empfiehlt die Möglichkeit, dass sich ArbeiterInnen in ihren Qualifikationen in Zukunft mehr auf Berufe konzentrieren sollten, die hohe emotionale Intelligenz benötigten wie z.B. die Arbeiten in der Pflege oder Freizeitindustrie.

Mark Carney ist auch Vorsitzender des „Financial Stability Board“ (FSB), einer G20-Institution, die das globale Finanzsystem überwacht und auf Risiken in dessen Entwicklungen spezialisiert ist.