Der Journalist James Bloodworth arbeitete zu Recherchezwecken beim Versandhandel

Amazon macht wieder Schlagzeilen, wieder mal geht es um Enthüllungen erschreckender Arbeitsbedingungen beim größten Online-Versandhändler. Dafür hat diesmal James Bloodworth gesorgt, der einen Monat lang als „Picker“ bei amazon gearbeitet hat und seine Erfahrungen in einem Buch veröffentlichte.

Strafpunkte für wahrgenommene Rechte

Der Autor beschreibt unter anderem das „Strafpunktesystem“. Die Aufgabe der Picker ist, die bestellten Waren aus den riesigen Lagerhallen zu sammeln und versandfertig zu machen. Während ihrer Schichten müssen sie bestimmte Kontingente erfüllen – schaffen sie das nicht, gibt es Strafpunkte. Nach sechs Strafpunkten droht eine Kündigung. Bloodworth beschreibt die schockierenden Konsequenzen: ArbeiterInnen trauen sich nicht, Toilettenpausen zu machen, „pinkeln in Flaschen“, wagen es nicht, sich krank zu melden.

Amazon: Punktesystem für Krankheitstage abgeschafft

Obwohl der Konzern bestreitet, dass ArbeiterInnen derart unter Druck gesetzt würden, kann nicht geleugnet werden, dass es ein Punktesystem gab, bei dem rechtmäßige Abwesenheit im Krankheitsfall zur Kündigung führen konnte. Bereits mehrere Recherchen hatten dies bestätigt, und so äußerte sich amazon, dass es ein Punktesystem nicht mehr gebe.

Wie glaubwürdig die Aussage des Konzerns ist, ist fraglich. Immerhin hat amazon auch Überwachungs-Armbänder patentieren lassen, die jeden Handgriff der ArbeiterInnen aufzeichnen – und damit für weiteren Leistungsdruck sorgen.