Singles besonders betroffen

In den 77 deutschen Großstädten fehlen gut 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen, darunter etwa 1,4 Millionen günstige Appartments unter 45 Quadratmetern für Single-Haushalte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte, Studie.

Die Wissenschaftler fordern Taten: Um die Lücke bei bezahlbaren Wohnungen zu verkleinern, sei es sehr wichtig, das Angebot an Kleinwohnungen mit Nettokaltmieten von vier bis fünf Euro pro Quadratmeter stark auszubauen.

„Das ist nur durch eine deutliche Stärkung des sozialen Wohnungsbaus möglich“, betonen die Wissenschaftler. „Dazu müssen einerseits weitaus mehr Sozialwohnungen als in den vergangenen Jahren neu entstehen. Andererseits muss auch die Sozial- und Mietpreisbindung im Wohnungsbestand wieder ausgeweitet werden.“ Dazu könnten beispielsweise öffentliche Träger Privatvermietern Wohnungen abkaufen.

Wo sind die Brennpunkte?

Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung besteht ein besonders großer Mangel an bezahlbarem Wohnraum einerseits in einwohnerstarken Städten mit vielen Niedrigverdienern (etwa Berlin, Leipzig, Dresden), andererseits in Großstädten mit besonders hohen Mieten (z.B. München, Stuttgart, Düsseldorf).

Konkret fehlen in Berlin mit rund 310.000 bundesweit die meisten bezahlbaren Wohnungen. Es folgen Hamburg mit einer Lücke von 150.000, Köln mit 86.000 und München mit 78.000 Wohnungen. Bei den Bundesländern ist NRW mit knapp 550.000 Wohnungen der Spitzenreiter im Wohnungsmangel.

Städte werden zur No Go-Area für Arme

Die Forscher hatten in einer ebenfalls von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung vom September 2017 bereits ermittelt, dass vier von 10 Großstadt-Haushalten in Deutschland mindestens 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Bruttokaltmiete – das heißt, inklusive Nebenkosten, ohne Heizkosten – zahlen müssen. Heute sieht die Situation ähnlich aus..

So haben maximal 40 Prozent unter den armutsgefährdeten Haushalten in sämtlichen Millionenstädten eine für sie bezahlbare Wohnung. Aber auch in zahlreichen anderen Orten wie Freiburg, Stuttgart, Düsseldorf, Kiel, Bonn, Münster, Regensburg, Aachen oder Darmstadt sieht es ähnlich aus. Relativ entspannt ist die Situation nach den Mikrozensus-Daten lediglich in wenigen Städten, darunter Bottrop oder Ulm.

Grundlage der Stadtsoziologen der Humboldt-Universität Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt waren die Zahlen aus dem Mikrozensus 2014. Da mittlerweile die Mieten weiter gestiegen sind, gehen die Forscher davon aus, dass die Lücke an bezahlbarem Wohnraum sogar noch größer geworden ist.