Kinder von MigrantInnen besonders betroffen

Die Arbeitslosigkeit ist offiziell so niedrig wie seit langem nicht. Dennoch müssen immer mehr Kinder in Armut leben. Mittlerweile ist fast jedes siebte Kind unter 18 Jahren in Deutschland auf Hartz IV-Leistungen angewiesen – insgesamt 2,052 Millionen Kinder und Jugendliche. Dies sind 5,2 Prozent mehr als im Juni 2016 und sogar acht Prozent mehr als vor fünf Jahren. Bei den unter Dreijährigen ist die Quote noch höher: Von ihnen lebte im Juni 2017 jedes sechste Kind in einer Familie, die Grundsicherung bezog. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Ausländische Kinder besonders betroffen

Besonders stark ist die Anzahl der ausländischen Kinder in SGB II-Haushalten gestiegen. So gab es im vergangenen Jahr 583.600 Kinder und Jugendliche in ausländischen Familien, die Hartz IV bezogen. Im Vergleich zum Juni 2016 entspricht dies einem sprunghaften Anstieg von 41 Prozent. Seit Dezember 2011 hat sich die Zahl sogar verdoppelt.

Hintergrund ist der Übergang von vielen geflüchteten Familien von den Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in das Hartz IV-System. Es klingt paradox, doch dies bedeutet für diese Kinder meist sogar eine Verbesserung der Lebensbedingungen, da die Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz noch geringer und eingeschränkter sind.

Regionale Unterschiede

In Bremen und Berlin ist fast jedes dritte Kind (bis zum Alter von 18 Jahren) auf staatliche Unterstützung angewiesen. In Sachsen-Anhalt und Hamburg ist es gut jedes fünfte Kind. Umgekehrt liegt in Bayern die Quote bei lediglich 6,8 Prozent.

Es wird zu wenig getan

Laut einer Umfrage des Kinderhilfswerks zu Kinderarmut vom Februar sind 66% der befragten Kinder und Jugendlichen der Meinung, dass eher wenig gegen Kinderarmut getan werde, bei den Erwachsenen sind es 58%. 11 Prozent der unter 18-Jährigen sagen sogar, dass „sehr wenig“ getan werde, hier sind es bei den Erwachsenen 14%.