Über den Rundumschlag im Handelskrieg mit China – von Pa Shan

Es mag so erscheinen, als seien die USA unter Donald Trumps Führung „verrückt“ geworden. Aber der Handelskrieg, den die Amerikaner gegen einen Teil der Welt entfachen, dürfte einem Kalkül folgen: Die globalen Rivalen der Supermacht frühzeitig zu schwächen und unsichere Verbündete einzuschüchtern.

Rundumschlag im Handelskrieg

Die USA haben vor wenigen Wochen einen Handelskrieg entfacht, der einem Rundumschlag gleicht. Vor allem die angekündigten Importzölle für Stahl und Aluminium verunsicherten amerikanische Konkurrenten. Die US-Regierung drohte auch engen Verbündeten wie der EU und Deutschland. Zunächst sollten nur Mexiko und Kanada davon ausgenommen werden.

Dann verkündete die US-Regierung jedoch, dass nicht nur Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko und Südkorea vom Stahl-Krieg ausgenommen würden, sondern auch die EU. Stattdessen stürzte sich Trump auf Russland, die Türkei, Japan und vor allem auf China. Diese Länder müssen seit März höhere Zölle auf Export von Stahl und Aluminium (25 und 10 Prozent) bezahlen.

Besonders mit China eskaliert der Handelskrieg. Die US-Regierung hat 25-prozentrige Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 50 bis 60 Milliarden US-Dollar angekündigt. Ziel sei es, „den Diebstahl von Technologie aus den USA zu unterbinden.“

China hat seinerseits Vergeltung angekündigt. Das Land will sich gegenüber den USA mit Importbeschränkungen in selber Höhe rächen. 106 US-Produkte, zu denen Sojabohnen, Autos, Rindfleisch und Produkte der Chemie- und Flugzeugindustrie zählen, sollen getroffen werden.  Zuvor hatte China angekündigt, die Einfuhr von 128 weniger wichtigen US-Waren zu verteuern, „um Chinas Interessen zu wahren und die Verluste durch die amerikanischen Zusatztarife auszugleichen“.

Chinas Aufstieg als Hintergrund des Handelskriegs

All das geschieht vor dem Hintergrund des Niedergangs der US-Alleinherrschaft und des chinesischen Aufstiegs. Studien verschiedener Einrichtungen wie der Weltbank oder des Londoner Forschungszentrums für Wirtschaft und Handel  schätzen ein, dass Chinas Wirtschaft die USA um das Jahr 2030 herum überholen wird.

Vor diesem Aufstieg Chinas fürchten sich die Herrschenden in den USA, deren Wirtschaft zugleich im Niedergang begriffen und von extremer Überschuldung und Handelsdefiziten belastet ist. Alexander Unzicker erklärt auf Telepolis auch damit den aggressiven außenpolitischen Kurs des Landes.

Ein reibungsloser Aufstieg Chinas ist nicht im US-Interesse. Im Gegenteil. Eine Schwächung Chinas ist im Interesse der USA, auch mit Hilfe aggressivster Mittel.

Während China ökonomisch rasant aufholt, ist es militärisch und geopolitisch noch klar unterlegen. Die USA haben ein Interesse daran, diesen Vorteil frühzeitig auszunutzen, solange die Chinesen noch schwächer sind. Bereits unter Obamas Präsidentschaft wurden solche Überlegungen angestellt. Unter Trump wurde das kürzlich klar ausgesprochen, etwa als sein Verteidigungsminister James Mattis erklärte, dass die USA zunehmend von Russland und China bedroht würden.

Handelspolitische Konflikte und Handelskriege können in diesem Rahmen als Vorbereitung eines umfassenden Konflikts mit China begriffen werden, der dazu dienen könnte, den Aufstieg des Landes zur neuen Supermacht zu verhindern.

Es ist möglich, dass das auch gelingt. Immerhin sind für China im Jahr 2030 nicht nur Wohlstand und der Supermacht-Status, sondern auch Szenarien des Verfalls und Chaos denkbar, wie die Bertelsmann-Stiftung festgestellt hat.

Strategie des Rundumschlags?

Zur Schwächung und Isolierung Chinas können die USA zuverlässige Verbündete gebrauchen, ob in Amerika, Europa oder in Asien. Die Androhung eines Handelskriegs gegenüber der EU und anderen Staaten könnte zwar zu ihrer Disziplinierung und Bindung an die USA führen. Immerhin sind Kanada, Südkorea, Mexiko, Brasilien und Deutschland die Staaten, die den Stahlexport in die USA anführen.

Verteuerter Export an die Supermacht wäre ungünstig für sie. Entsprechend froh dürften die Stahlproduzenten dieser Länder gewesen sein, als Trump sie vorläufig vom Handelskrieg ausnahm. Japan, Russland, die Türkei und China nehmen die Plätze sechs, sieben, neun und zehn beim Stahlexport in die USA ein. Sie werden vom Handelskrieg getroffen.

Die 50 bis 60 Milliarden US-Dollar, die dem chinesischen Export durch besonders schwere Strafzölle entgehen werden, signalisieren der chinesischen Führung schon jetzt, dass es mit den USA künftig keine leichte Beziehung geben wird. Die anderen Länder können das als Warnung auffassen.

Ob die Strafaktion und -androhung der Amerikaner gegenüber den befreundeten Staaten wirklich dabei helfen wird, sie an sich zu binden und China zu schwächen und zu isolieren, ist aber fraglich. Womöglich provoziert solch eine „verrückte“ und unzuverlässige Handelspolitik sogar die Entfremdung der USA von den eigenen Verbündeten. Vielleicht kommt es in Zukunft aufgrund solcher Exzesse sogar zur weiteren Annäherung der EU oder der ostasiatischen US-Verbündeten an China.