Facebook-Skandal weitet sich aus

Rechts oder Links? Hetero oder Homo? Gläubig? All diese Fragen – und noch viele weitere – konnte die Firma „Cambridge Analytica“ für 87 Millionen Menschen beantworten. Ihre Informationen hat sie über eine Facebook-App gewonnen, um daraus Persönlichkeitsprofile zu generieren. Diese wurden dann unter anderem in Trumps Wahlkampf benutzt. Doch nun hat Facebook zugegeben, dass wahrscheinlich fast alle der 2 Milliarden Menschen auf seiner Plattform von ähnlichen Praktiken betroffen sind.

So bestätigte Facebook in einem Blogpost, dass „Profilinformationen der meisten Menschen auf Facebook (…) abgesaugt wurden.“ So hätten „böswillige Akteure“ Telefonnummern und E-Mail-Adressen, die sie bereits hatten, in die Suche eingegeben oder damit eine Account-Wiederherstellung gestartet, um dann die Daten abzugreifen.

Dazu kommentierte Markus Beckedahl, Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org: „Die Frage lautet nicht mehr, wieviele Daten von Nutzern Cambridge Analytica gezogen hat, sondern wer noch alles und wie oft, wer diese Daten weiterverkauft hat und wo sie jetzt gegen die Nutzer verwendet werden.“

Die amerikanische soziale Plattform war in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten, nachdem der ehemalige Mitarbeiter Christopher Wylie die Geschäftspraktiken des Unternehmens offengelegt hatte.

So hatte die Firma „Global Science Research“ über die Facebook-App „thisisyourdigitallife“, die als Persönlichkeitstest ausgelegt war, Profile für 270.000 AnwenderInnen erstellt – und alle ihre FreundInnen. Somit wurden Daten von 87 Millionen Menschen erfasst, davon 300.000 aus Deutschland. Diese wurden dann wiederrum an „Cambridge Analytica“ verkauft, an dessen Unternehmen unter anderem der ehemalige Chefstratege Trumps, Steve Bannon, und der Multimilliardär Robert Mercer beteiligt waren. Diese nutzten die aus den Daten generierten Persönlichkeitsprofile dazu, potenzielle Trump-Wähler mit gezielter Werbung anzusprechen und umgekehrt mögliche Clinton-Wählerinnen mit Negativinformationen vom Wahlgang abzubringen.

Der Whistleblower Wylie bezeichnete das von ihm geschaffene System als ein „Werkzeug der psychologischen Kriegsführung“. Ähnliche Praktiken habe das Unternehmen bereits unter anderem in Kenia angewandt.

Der Datenskandal hat Facebook bereits 100 Milliarden Dollar an Börsenwert verlieren lassen.