Zusteller sind traurige Spitzenreiter bei körperlicher Belastung durch die harte Arbeit

Um bei der Post unbefristet beschäftigt zu werden soll man maximal 10 Tage im Jahr krank sein. Dies geht an der Realität des belastenden Jobs vorbei. Eine Studie der Berufskrankenkassen zeigt, dass gerade Zusteller fast doppelt soviel krank sind wie der Durchschnitt – 30,6 Tage im Jahr.

Besonders Frauen sind stark belastet: Während die männlichen Post- und Paketboten im Durchschnitt 25 Tage fehlten, waren es bei ihren weiblichen Kolleginnen schon 35,6 Tage.

Im vergangenen Jahr lag der Wert aller Versicherten bei den Berufskrankenkassen bei 17,4 Fehltagen. Dazu zählen Krankheitstage, Ausfälle wegen Arbeitsunfällen und auch Abwesenheiten wegen Reha-Maßnahmen.

Harte Arbeitsbedingungen führen zu Erkrankungen

  • Postboten müssen tausende Treppen steigen, Pakete schleppen, Kilometer laufen. Das schlägt sich auf die Gesundheit nieder. Besonders häufig leiden die Zusteller unter Muskel- und Skeletterkrankungen. Mehr als ein Drittel aller Fehltage fallen auf Rückenprobleme, Muskelzerrungen und ähnliche Beschwerden. Bei den über 50jährigen ZustellerInnen sind sogar über 90 Prozent der Versicherten wegen Muskel- und Skelettbeschwerden in Behandlung.
  • Auch muss keine andere Berufsgruppe öfter im Krankenhaus stationär behandelt werden – durchschnittlich 1,2 Tage im Jahr.
  • Wenn der Körper nicht mitmacht, muss die Medizin her. Postboten nehmen die meisten Medikamente. Insbesondere die Zustellerinnen nehmen die höchsten Tagesdosen an Arzneimitteln im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, darunter sind auch viele Antidepressiva.

Befristung macht krank

Das „Entfristungskonzept“ der Post hatte vor einigen Tagen Schlagzeilen gemacht. Neben der unrealistisch geringen Krankheitszeit dürften Postboten außerdem „höchstens zwei selbstverschuldete Kfz-Unfälle mit einem maximalen Schaden von 5000 Euro“ verursachen. Ebenso heißt es, ZustellerInnen dürften in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen, sonst würden sie nicht unbefristet angestellt

Dass eben dieser Druck vor der Entfristung selbst wieder zu Erkrankungen führt, belegt die Studie. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen Befristung und Gesundheit: „Befristet Beschäftigte sind seltener bei Ärzten oder Therapeuten als unbefristet Tätige“, heißt es.