Knapp 718.000 haben an den türkischen Wahlen teilgenommen

In der Türkei finden derzeit die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Die Stimmabgabe ist in der Türkei am Sonntag, den 24. Juni, möglich. Auch in Deutschland konnte gewählt werden. Zwischen dem 7. und 19. Juni konnten die wahlberechtigten Deutschtürken bereits ihre Stimme abgeben.

Von den etwa drei Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland sind 1.443.585 wahlberechtigt. Davon haben bis Dienstag genau 717.992 an den Wahlen teilgenommen. Damit hat sich die Hälfte der Deutschtürken mit türkischem Pass an den Wahlen beteiligt.

Die überwiegende Mehrheit gab ihre Stimme in den Wahllokalen ab, die die 13 türkischen Konsulate in Deutschland eingerichtet hatten. 57.809 stimmten an Grenzübergängen und Flughäfen ab. Diejenigen, die bis Dienstag noch nicht gewählt haben, können dies bis Sonntag noch in der Türkei selbst tun. Die Wahlbeteiligung war in Essen mit 67,4 Prozent am höchsten, gefolgt von Köln (56,3), Düsseldorf (55,7) und Stuttgart (55,3).

Für den Wahlausgang könnten die Stimmen der Deutschtürken entscheidend sein. Denn bei den aktuellen Wahlen wird ein äußerst knappes Ergebnis erwartet, das zwischen einem weiteren faschistischen Umbau des Staates durch den seit 16 Jahren regierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdogan oder einer Neubildung von Parlament und Regierung entscheiden wird. Das neue autoritäre Präsidialsystem Erdogans soll ausgerechnet am letzten Wahltag diesen Sonntag, am 24. Juni 2018, in Kraft treten.

Gegen Erdogans islamistisch-faschistischen Wahlblock unter Führung von seiner Partei AKP haben sich nicht nur die „kurdische Allianz“ mit der linken Partei HDP des eingesperrten Präsidentschaftskandidaten Selahattin Demirtaş an der Spitze positioniert. Auch gibt es eine nationalistische Allianz unter Führung der kemalistischen CHP.

Letztes Jahr beteiligte sich die bereits die Hälfte der Deutschtürken (48,8 Prozent) an Erdogans Verfassungsreferendum zur Errichtung eines Präsidialsystems. Von diesen haben damals wiederum nur etwas mehr als die Hälfte (51,4 Prozent) für Erdogans Pläne gestimmt. Das waren nur etwa 1,5 Millionen Stimmen für das Präsidialsystem. Die 1,44 Millionen wahlberechtigten Deutschtürken und die anderen 1,5 Millionen Türken außerhalb Deutschlands und der Türkei könnten daher mit ihrer Stimmabgabe das Ergebnis entscheiden.

[paypal_donation_button align=“left“]