Nicht einmal die Hälfte ostdeutscher Arbeitsplätze ist tarifgebunden

Seit Jahrzehnten nehmen die Anteile der Betriebe, in denen Arbeitgeber beim Aushandeln der Arbeitsbedingungen und Entlohnung an Tarifverträge gebunden sind, beständig ab. Das ergeben die jüngst veröffentlichten Zahlen des „Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ (IAB) in Nürnberg.

Mehr als 70 Prozent der Betriebe nicht tarifgebunden

Unternehmen haben zahlreiche Optionen, sich einem Tarifvertrag anzuschließen. So können Tarifvereinbarungen für einzelne Unternehmen, aber auch für Branchen und Regionen ausgehandelt werden. Derzeit sind in Westdeutschland rund 27 Prozent der Betriebe durch Branchentarifverträge gebunden, in Ostdeutschland sind es nur 16 Prozent. Für weitere 2 Prozent gelten betriebliche Tarifvereinbarungen – alle übrigen 71 Prozent sind auf keine Weise tariflich gebunden.

Gründe auf Unternehmerseite

Gerade in großen Unternehmen nähme ein Tarifvertrag die Arbeit ab, bei jeder Einstellung erneut Arbeitsbedingungen und Lohn auszuhandeln. Doch die Vorteile, sich nicht an etwaige tarifvertraglich geregelte Zusatzleistungen zu binden, überwiegen. Zwar geben Teile der Betriebe an, sich ohnehin an den Tarifverträgen zu orientieren, aber tatsächlich nicht in allen Punkten. Beispielsweise Weihnachts- und Urlaubsgeld, aber auch die Dauer des Jahresurlaubs unterschreiten in nicht tarifvertraglich begleiteten Arbeitsverhältnissen recht flächendeckend das Niveau der Tarifvereinbarung.

Folgen für ArbeiterInnen

Auch wenn Gewerkschaften jede neue Aushandlung als einen Erfolg feiern, ist für die meisten offensichtlich, dass Tarifverträge oft auf lange Zeit sogar eine Senkung des Reallohns manifestieren. Gleichzeitig merken zahlreiche Studien zu diesem Thema an: Wo Betriebe sich nicht an Tarifverträge binden, gibt es tendenziell weniger betriebliche Mitbestimmung. Das bedeutet: nicht nur die Tarifbindung ist nicht vorhanden, sondern diese Entwicklung geht beispielsweise mit dem Fehlen von Betriebsräten einher.