Am Montagabend, den 23.7.18, verhinderte die junge schwedische Studentin Elin Ersson im Alleingang die Abschiebung eines Menschen nach Afghanistan

An diesem Abend saß sie in einem Flugzeug, das von Göteburg nach Istanbul fliegen sollte. Mit ihr an Bord befand sich ein 52-jähriger Afghane, der nach Afghanistan abgeschoben werden sollte. Dies wollte sie verhindern: „Ich werde mich nicht hinsetzten, bis diese Person das Flugzeug verlassen hat“, verkündete sie. So weigerte sich die junge Schwedin, im Flugzeug Platz zu nehmen, bis der Afghane das Flugzeug verlassen konnte.

Bereits im Vorfeld engagierte sich Elin Ersson im antifaschistischen Kampf und gegen die Abschiebung von Menschen in Gefahrengebiete. So organisierte sie kurze Zeit vorher am selben Flughafen eine Demonstration gegen die Abschiebung eines Flüchtlings, der an diesem Abend wahrscheinlich doch nicht abgeschoben wurde.

Was genau geschah

Scheinbar spontan entschied sie sich dann, die Abschiebung eines anderen Menschen zu verhindern, indem sie eine Bordkarte für das Flugzeug erwarb, mit dem ein weiterer Mensch abgeschoben werden sollte.

Im Flugzeug selbst angekommen, wartete Elin Ersson, bis die meisten Passagiere saßen und der Flug beginnen sollte. Sie stand auf – wissend, dass der Pilot erst dann abheben dürfte, wenn alle Passagiere angeschnallt auf ihren Plätzen sitzen.

Mit ihrem Handy begann sie über Facebook einen Livestream, wobei sie darauf achtete, keine anderen Passagiere zu filmen und diese so in ihren Persönlichkeitsrechten nicht zu verletzen.

Sie erklärte in ihrem Video, dass ihre Handlung nicht gegen geltendes Recht verstoße, da sie lediglich die Zwangsabschiebung eines Menschen verhindern wolle, der in ein Gefahrengebiet gebracht werden sollte.

Das Flugpersonal forderte sie des Öfteren auf, sich hinzusetzen. Ebenso gab es von einem Passagier abfällige Kommentare und menschenverachtende Aussprüche über ihr Verhalten. Sie vertrat ihre Meinung jedoch standhaft. Ebenso solidarisierte sich ein Fußballteam, dass ebenfalls im Flugzeug saß, mit ihrem Protest gegen die Abschiebung und stand ebenfalls auf, was es dem Piloten nochmals erschwerte, den Flug zu starten. Schließlich gab der Pilot bekannt, dass er nicht abheben werde, solange der zur Abschiebung ausstehende Afghane mit an Bord sitzen würde. Aber auch, dass Elin ebenfalls das Flugzeug verlassen müsse.

Auf diese Ankündigung hin applaudierte der Großteil der Passagiere und gratulierte der zu Tränen gerührten Elin und dem glücklichen Afghanen, der an diesem Tag nicht ins Kriegsgebiet abgeschoben werden konnte.

Wie geht es nun weiter ?

Die schwedische Polizei hat darauf hingewiesen, dass es eine Straftat sei, sich den Anordnungen eines Flugzeugkapitäns zu widersetzen, die mit einer Geldbuße oder 6 Monaten Haft geahndet würde.
Auch Turkish Airlines könnte sie für die Verspätung zur Verantwortung ziehen und Schadensersatz fordern. Die Abschiebung des 52- jährigen Afghanen soll auch weiterhin erfolgen.

Was sagt die Öffentlichkeit?

Seit diesem Zeitpunkt geht der Videolivestream von Elin durch die Medien. Viele Menschen solidarisieren sich mit der mutigen Kämpferin für die Menschenrechte. Im Internet findet man nun viele Aufrufe, die zur Nachahmung ihrer mutigen Tat auffordern. Ebenso solidarisieren sich Menschen in Europa und weltweit mit Elin Ersson und ihrem Protest. Auch werden Stimmen gegen die Haftandrohungen der Polizei gegen Elin laut.

Eines jedenfalls steht fest: Auch wenn die Abschiebung des Afghanen weiterhin verfolgt wird, lautlos wird dies nun nicht mehr geschehen.