Polizist hatte jungen Mann erschossen und gelogen

Nach der Ermordung des 22jährigen Aboubakar Fofana während einer Polizei-Kontrolle am vergangenen Dienstag, 3.7., kam es in den letzten fünf Tagen zu sozialen Unruhen im französischen Nantes. Tagsüber fanden Demonstrationen statt, in den Nächten wurden Dutzende Fahrzeuge und öffentliche Gebäude angezündet. Angefeuert wurden die Proteste dadurch, dass der Todesschütze in einer ersten Version offenbar gelogen hat.

Keine „Notwehr“

In einer ersten Fassung der Polizei hieß es nämlich, der 22-Jährige habe versucht, zu flüchten, nachdem er in eine Polizei-Kontolle geraten war. Gegen ihn lag ein offener Haftbefehl wegen „bandenmäßigen Diebstahls“ vor und er habe eine falsche Identität angegeben. Bei dem Fluchtversuch habe er eine Polizeieinheit am Knie gestreift, worauf ein weiterer Polizist der Spezialeinheit CRS aus „Notwehr“ auf ihn geschossen habe.

Laut Augenzeugenberichten hat sich die Situation jedoch anders zugetragen: So habe der 22jährige Aboubakar zwar das Auto rückwärts gesetzt, sei jedoch an eine Wand geprallt und „gefangen“ gewesen. Eine Gefahr habe für die Polizisten vor dem tödlichen Schluss nicht bestanden.

Der Polizist sitzt derweil in Gewahrsam wegen der gerichtlichen Voruntersuchung auf Körperverletzung mit Todesfolge. Sein Anwalt spricht von einem „Unfall“, der Schuss habe sich „aus Versehen“ gelöst.

Proteste und Riots

Am Freitag kamen bei einem Gedenkmarsch rund 1.000 BürgerInnen zusammen, um „Gerechtigkeit für Abou“ zu fordern. In den darauffolgenden Nächten kam es zu heftigen Straßenschlachten mit der Polizei. Mehrere Dutzend Autos wurden angezündet, darunter auch das der Bügrermeisterin von Nantes. An öffenlichen Gebäuden wie dem Rathaus wurde Feuer gelegt, auch Schulen und Bibliotheken waren betroffen. Während der Riots wurden auch Masten mit Überwachungskameras durch Protestierende auf Mofas abgesägt.

Auch AktivistInnen der „Zone à défendre“ wurden bei den Protesten festgenommen – sie halten den Flughafen bei Nantes seit langem besetzt. Auch dort kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Nun hatten sich diese Demonstrierenden mit AnwohnerInnen aus dem Quartier Breil, aus dem Abubakar Fonfana kam, getroffen und ausgetauscht:  Doch „offensichtlich macht dem Staat diese Konvergenz Angst“, so ein Tweet-Kommentar zu den Festnahmen.

Seit Samstag haben die Auseinandersetzungen nun Stück für Stück abgenommen. So wurde in der Nacht auf den Montag „nur“ ein angezündetes Auto gemeldet.