Gewerkschaften und linke Gruppen mobilisieren 100.000 zum Protest

Das Renteneintrittsalter in Russland wurde noch in Sowjetzeiten festgelegt, zuletzt geändert wurde es 1932: Frauen dürfen mit 55 Jahren in Rente gehen, Männer fünf Jahre später. Nun soll es angehoben werden, für Männer auf 65 Jahre, für Frauen sogar um acht Jahre, sodass ihr Beitrittsalter bei 63 läge. In Deutschland ist das längst Realität, doch RussInnen demonstrieren: Die durchschnittlichen Lebenserwartungen sind so gering, dass viele fürchten, ihre Rente nicht zu erleben.

Mehr Unzufriedenheit mit der Arbeit Putins

Es ist noch nicht lang her, dass Putin arbeitende Alte zu beruhigen versuchte und ein erhöhtes Beitrittsalter als Unmöglichkeit beschrieb: „Der hat seine Arbeit getan, also in den Holzkarton, und ab mit ihm? Das ist unmöglich.“. Doch die russische Rentenreform diene vor allem den RentnerInnen selbst, sie trage bei zu einer „wesentlichen Steigerung des Wohlstandes der Rentner“, so Putin.

Doch nicht nur Putins Haltung selbst, auch die Haltung der BürgerInnen zu dem russischen Präsidenten hat sich gewandelt. Diverse Meinungsforschungsinstitute verzeichneten in den letzten Wochen Abnahmen der Zustimmung zur Arbeit Putins um bis zu 14 Prozentpunkte.

100.000 demonstrieren in Moskau

Zu den Protesten am Samstag riefen verschiedenste linke Organisationen, Gewerkschaften und die „Kommunistische Partei der russischen Föderation“ (die in allen anderen Politikbereichen eine außerordentlich hohe Zustimmung zur Partei „Einiges Russland“ hat, der auch Putin nahe steht) auf. „Ich sterbe bis zur Rente“ war eine der Parolen und auf zahlreichen Plakaten wiederzufinden. Eine Petition gegen die neue Gesetzgebung wurde von 2.9 Millionen russischen BürgerInnen unterschrieben.