Urteilsverkündung und Demonstrationen für den 11. Juli geplant

Der Tod von 9 Migranten und einer Polizistin geht auf ihr Konto – mindestens. Über Jahre hinweg mordete der „Nationalsozialistische Untergrund“  (NSU) mit einem geschätzten Unterstützungsumfeld von mehr als hundert Personen. Nun sind nach 5 Jahren Prozess die letzten Worte im NSU-Prozess gesprochen, auch die Hauptangeklagte Beate Zschäpe äußerte sich. Die Urteilsverkündung ist für den 11. Juli angesetzt.

Zschäpe sieht sich als unschuldig

Die Hauptangeklagte Zschäpe nutzte ihre letzten Worte. Sie sprach davon, dass sie von den Morden nichts gewusst habe und rechtes Gedankengut heute für sie keine Rolle mehr spiele.

Diese Aussagen fügten sich laut Nebenklage in die bisherige Verteidigungslinie ein: „viel Selbstwahrnehmung als Opfer von Nebenklage, Bundesanwaltschaft und Medien und wenige hingerotzte Worte der Entschuldigung an die Hinterbliebenen. Ebenso blass und wenig glaubhaft dann auch ihre Angaben zu ihrer angeblichen Distanzierung von neonazistischer Gesinnung“

Keine Überraschungen bei weiteren Angeklagten

Auch bei den weiteren Angeklagten gab es keine neuen Einlassungen. Der angeklagte Holger Gerlach entschuldigte sich und hoffe auf ein „gerechtes Urteil“. Carsten Schulze zeigte erneut Reue und sprach davon, dass sich seine Schuld nicht abtragen lasse. Er hatte sich bereits während des Prozesses mit einer Opferfamilie getroffen. Die Familie Boulgarides hatte seine Entschuldigung angenommen. Ralf Wohlleben schloss sich nur dem Plädoyer seiner Verteidigung an – diese hatte unter anderem Hitler-Zitate in ihre Ausführungen eingebaut. André Eminger, der treue Helfer, sagte nichts.

„Tag X“ steht fest

Die Urteilsverkündung wird am Mittwoch, 11.07.2018, um 9.30 Uhr beginnen. Es erscheint gut möglich, dass sie auch noch am Donnerstag andauern wird. Unter dem Motto „kein Schlussstrich“ wird während des gesamten Mittwochs, 11.07., eine Kundgebung vor dem Münchener Gericht mit anschließender Demonstration stattfinden, auch in vielen anderen Städten sind für den „Tag X“ (der  Urteilsverkündung) selbst oder den Samstag, 14.07., Demonstrationen angekündigt, die deutlich machen sollen, dass mit dem Urteil des Oberlandesgerichts die Aufklärung und Aufarbeitung des NSU-Komplexes nicht abgeschlossen sein kann und darf.

Verrückte Einzeltäter oder staatlich aufgebautes Nazi-Netzwerk?

Die Bundesanwaltschaft spricht von einer isolierten NSU-Zelle, bestehend aus den drei Personen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Die beiden Uwes sind unter mysteriösen Umständen in einem Wohnwagen ums Leben gekommen. Beate Zschäpe sei die letzte Überlebende des „Trios“.

Die Nebenklage hatte in ihren Plädoyers mehrfach klar gemacht, dass sie von einem bundesweiten neonazistischen Netzwerk ausgehe, das von staatlichen Stellen mit aufgebaut, finanziert und gedeckt wurde. Diese Verstrickungen seien jedoch im Prozess nicht behandelt worden.

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