Hunderte laufen unter rechten Parolen, Hooligans jagen MigrantInnen durch die Stadt

In der Nacht zum Sonntag ist es in Chemnitz zum gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen gekommen. Für den darauf folgenden Tag wurde von rechten Fußball-Hooligans zu einer Spontan-Demo aufgerufen. Sie entwickelte sich zu einer Jagd auf MigrantInnen. Auch für heute sind wieder Aktionen angekündigt – und der Gegenprotest formiert sich.

Tod am Samstag

Auslöser der Aktionen am Sonntag war der Tod des 35-Jährigen Daniel H. in der vorangegangenen Nacht. Hintergrund dessen ist wohl ein Streit zwischen maximal zehn Männern, an denen laut Polizei Männer mehrerer Nationalitäten beteiligt gewesen sein sollen. Dabei soll der Mann niedergestochen worden sein. Zwei weitere Personen wurden teils schwer verletzt.

Zuvor war von der BILD-Zeitung darüber berichtet worden, dass die Männer einer Frau zu Hilfe geeilt seien, die belästigt worden sein soll. Laut Polizei Sachsen gebe es jedoch keinen Anhaltspunkt für eine Belästigung. Die BILD änderte ihre Überschrift im nachhinein.

Aufrufe durch AfD und rechte Hooligans

Für Sonntag riefen dann verschiedene rechte Gruppen zu Aktionen auf. Um 15 Uhr führte die AfD eine Versammlung mit etwa hundert Menschen durch. Gegen 16:30 sammelten sich dann erneut rund 1.000 Menschen. Aufgerufen hatte unter anderem eine rechte Hooligan-Gruppe.

Angesichts dessen wurde zwar aus Sicherheitsgründen das Stadtfest von Chemnitz vorzeitig beendet, dennoch wurde nur eine geringe Anzahl von Polizisten zum Auftakt der Rechten geschickt. Diese überrumpelten die Polizei und zogen dann ungestört durch die Stadt. Dabei wurden Parolen wie „Wir sind das Volk“, „Das System ist am Ende, wir sind die Wende“ und „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“ skandiert.

Augenzeugen und Videos im Internet belegen, wie dabei mehrfach MigrantInnen durch die Stadt gejagt werden. Die Polizei forderte diese daraufhin auf, die Innenstadt zu verlassen.

Im Anschluss sagte der AfD-Landtagsabgeordneter Ralf Weber über die Vorfälle in Chemnitz: „Um künftigen gewaltsamen Auseinandersetzungen vorzubeugen, muss Deutschland nun erwachen“. – „Deutschland erwache“ war eine zentrale Parole der NSDAP.

Aufrufe zu Gegenprotest

Rechte haben auch heute wieder zu Aktionen aufgerufen. Auf Twitter gibt es infolge dessen bereits Aufrufe von mehreren antifaschistischen Gruppen, heute noch nach Chemnitz zu fahren, um Übergriffe von Faschisten auf MigrantInnen zu verhindern. Auch eine Gegenkundgebung soll um 17:00 am Stadthallenpark stattfinden.

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