Letzte Schlacht im Syrien-Krieg oder Auftakt zu neuen Kriegen?

Idlib ist die letzte Provinz, die nicht vollständig unter der Kontrolle der syrischen Regierung oder der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) stehen. Hinzu kommen kleinere Gebiete im Norden Syriens, die nach wie vor unter Beherrschung des „Islamischen Staats“ (IS) stehen. Mehrere Millionen Menschen leben dort seit Jahren unter der Regentschaft islamistischer Milizen. Seit Monaten wird diese Enklave zudem von über 1.000 türkischen Soldaten gesichert.

Nun bereiten sich die syrischen Streitkräfte gemeinsam mit russischer und iranischer Unterstützung auf die Rückeroberung Idlibs vor. Hierhin sollen sich zwischen 100.000-150.000 islamistische Kämpfer zurückgezogen haben. Es könnte also ein durchaus langwieriger Kampf werden.

Am Mittwoch bestätigte auch der russische Außenminister Sergej Lawrow öffentlich die Unterstützung Russlands für eine baldige Offensive. Die Provinz sei ein „eiterndes Geschwür“, das „liquidiert“ werden müsse, so Lawrow. Die islamistischen Milizen würden die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde missbrauchen und „verhandlungswillige Rebellengruppen“ am Dialog mit der Regierung hindern (Link).

Der UN-Sicherheitsrat warnte zudem davor, dass ein Angriff auf Idlib ein „humanitäres Desaster“ auslösen würde. Bereits in den letzten Wochen soll sich die Lage der Zivilbevölkerung in Idlib deutlich verschlechtert haben.

NATO-Staaten wie die USA, Frankreich und Großbritannien kündigten unterdessen an, dass sie sofort militärisch eingreifen würden, sollte es zu einem Angriff mit chemischen Waffen in Idlib kommen. Das könnte zu einer weiteren Eskalation im Syrien-Krieg und ein direktes Aufeinandertreffen von russischen und westlichen Truppen zur Folge haben. Russland warnte zudem, dass sich islamistische Milizen darauf vorbereiten würden, fingierte Giftgasanschläge durchzuführen, welche sie dann dem syrischen Regime in die Schuhe schieben würden (Link).

Ein Sprecher der Demokratischen Kräfte Syriens sagte in einem Interview mit der kurdischen Nachrichtenagentur ANHA, dass sie davon ausgingen, dass Idlib stückweise nach „Scheingefechten“ an das syrische Regime übergeben werde, eine große Offensive vermutlich aber frühestens Anfang 2019 auf dem Plan stehe.