Ein kurzer Bericht – von Tim Losowski

Am Sonntag strömten wieder tausende Menschen in den Hambacher Forst – um des verstorbenen Steffen Meyns zu gedenken und um die BesetzerInnen des Hambacher Forsts im Kampf gegen ihre Räumung solidarisch zu unterstützen. Sie trotzten dem Regen und „zufällig“ ausfallenden Zügen und zogen in den Wald. Nicht nur für den geplanten „Waldspaziergang“, sondern auch um konkrete Unterstützung für den Hambacher Forst zu leisten. Eindruck machte vor Allem der massenhafte Barrikaden-Bau.

Barrikadenbau mit der ganzen Familie

Wo man hinlief, sah man Menschen, die Material schleppten für neue Baumhäuser und die Barrikaden aus Holzstämmen errichteten. Junge und alte Menschen, Kleingruppen und Familien beteiligten sich daran.

Ich selbst konnte die „Bauarbeiten“ im Bereich „Lorien“ beobachten. Schon im „Eingangsbereich“ wurden mit der Spitzhacke Schneisen in den Waldboden gegraben, um das Fortkommen von Polizeiautos zu erschweren. An einer anderen Stelle hatten AktivistInnen seit Samstag einen 300 Meter langen Wall errichtet.

Heute wurde daran weitergearbeitet. Dutzende Menschen liefen durch den Wald, um Holz zu sammeln und den Wall weiterzubauen. Dabei gab es sowohl die maskierten Protestierer mit rotem Halstuch als auch den Papa mit der quietsch-orangenen Jacke, der einen 2-Meter-Stamm schultert – die zehnjährige Tochter mit körpergroßen Stöckchen hinterher.

Viele Hände

Auf dem Boden braucht es für eine Barrikade eine schwere Basis, oben drauf kommt dann kleineres Geäst. Also müssen immer wieder große Baumstämme her, die zwar schnell ausgemacht sind, aber schwer zu transportieren. Wenn viele Hände zusammenarbeiten, funktioniert aber auch das. Auf „eins – zwei – drei“ hoben 25 Personen einen riesigen abgebrochener Baum auf und transportierten ihn zweihundert Meter durch den Wald, um bei der Barrikade „anzubauen“. Nachdem der Stamm verkeilt und langsam abgelegt war, schallt es laut „Hambi bleibt, Hambi bleibt“ von den TrägerInnen durch den Wald.

Auch hier war es wieder ein buntes Gemisch von Menschen, die das Ziel eint, die Räumung des Walds zu erschweren – wenn möglich zu verhindern. Aus der Nähe hört man immer wieder Jubel und Klatschen – wahrscheinlich, weil wieder eine große Gruppe mit Material angekommen ist oder eine andere Barrikade mit einem großen Stamm erfolgreich verstärkt wurde.

RWE und Landesregierung haben zuletzt angekündigt, dass die Räumung fortgesetzt werden wird. Doch auch der Widerstand, dem ein „jetzt erst Recht“ ins Gesicht geschrieben steht, wird weitergehen.