4 Millionen Pflegebedürftige im Jahr 2035 – ein Kommentar von Anton Dent

Der Personalnotstand in der Pflegebranche hat seit dem letzten Jahr auch das Interesse der Politik erreicht. Zwar scheint es für viele PolitikerInnen nur Probleme der Inneren Sicherheit und der Migration zu geben, doch mittlerweile lässt sich über der Situation in deutschen Krankenhäusern und Altenzentren nur noch schwer schweigen. Überlastetes Personal und unterversorgte PatientInnen sind hier der Alltag.

Nun ist es gewiss kein Geheimnis, dass Deutschland eine alternde Gesellschaft hat, und so dürfte die heutige Situation eigentlich Niemanden überraschen. WissenschaftlerInnen versorgen die Politik sogar regelmäßig mit belastbaren Zahlen – so auch jetzt das arbeitgebernahe „Institut der deutschen Wirtschaft“ (IW): Dort errechnete man die Pflegesituation für das Jahr 2035 bei unverändertem Gesundheitszustand. Hiernach würde die Zahl der Menschen, die auf Pflegeleistungen angewiesen sind, auf über vier Millionen steigen. Das sind ein ungefähr ein Drittel mehr als heute.

Weiter wird berechnet, dass die Zahl der Fachkräfte in der Pflegebranche um 44% zulegen müsste – nämlich auf circa eine halbe Million. Zwar steigt die Zahl der Altenpfleger allmählich, jedoch viel zu langsam. Die Kluft zwischen Bedarf und Verfügbarkeit wird mit jedem Jahr größer. Die IW-WissenschaftlerInnen verweisen ebenfalls darauf, dass ihre Zahlen sehr niedrig angesetzt sind und die Realität wohl noch schlimmer aussehen wird.

Die von Gesundheitsminister Spahn angedachten neuen 13.000 Stellen im Pflegeberuf sind vor diesem Hintergrund nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nun wird weiter diskutiert, wie man das Problem lösen könnte – über höhere Gehälter einerseits, aber auch über die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. Die IW-Studie selbst bringt als weiteren Vorschlag die ‚Senkung‘ der Pflegequalität in die Diskussion, insofern, als man die starren Regeln zur Dokumentationspflicht oder zum Personalschlüssel lockern könnte.