Wie die Zeitung Welt am 26. September berichtete, hat das Land Berlin im Handel mit Derivaten bisher ein Verlustgeschäft von über 1,7 Milliarden Euro gemacht. Der genaue Verlust lässt sich noch nicht beziffern, da die letzten Derivate-Geschäfte erst im Jahr 2048 auslaufen werden.

Bisheriger Verlust: 1,7 Milliarden Euro!

Das Land Berlin war mit einem Anfangsvolumen von über sieben Milliarden Euro in das Derivate-Geschäft eingestiegen und hat seit 1996 137 Derivate erworben. Durch fallende Kurse wurde mit diesem Betrag bisher ein Verlust von 1,7 Milliarden Euro „erwirtschaftet“ und ein Anstieg der Kurse ist nicht in Sicht. Mit dem Erwerb erhoffte sich das Land Berlin, an Zinszahlungen zu sparen. Diese Planung ging bisher nicht auf. Die Welt vermutet, dass das Land darauf spekuliert hatte, dass die Zinsen steigen würden. Stattdessen sanken sie in den 2000er Jahren durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Ende der Geschäfte: 2048!

Derivate werden als sehr riskant eingestuft, da sie oft über einen sehr langen Zeitraum abgeschlossen werden. Diese Zeiträume sind meist so lang, dass eine Vorhersage über Entwicklungen quasi unmöglich ist. Das längste Geschäft der Berliner mit einem Volumen von 320 Millionen Euro endet erst im Jahr 2048. Zusätzlich erfüllen von den 26 Kreditinstituten, mit denen Berlin Geschäfte abgeschlossen hat, nur noch 17 die Mindest-Bonitätsanforderungen des Landes. Berlin steht somit ohne Absicherung da und droht Milliarden Euro an Steuergeldern zu verlieren.

Was sind Derivate und wie funktionieren sie?

Derivate sind Ableitungen bzw. ein gegenseitiger Vertrag. Zwei (oder mehrere) Vertragspartner schließen ein gegenseitiges Geschäft, bei dem man sich auf eine Zahlungsgröße eines Produkts verständigt. Dieses kann eine Aktie, Anleihe, Zinssatz oder auch ein Rohstoff sein. Dieses Produkt besitzt z.B. einen bestimmten Preis an der Börse und dieser wird fixiert. Dieser Basiswert muss an der Börse nun nicht mehr gehalten werden, sondern kann auch schwanken. Das Geschäft bei den Vertragspartnern bleibt von den Kursschwankungen jedoch unberührt. So soll in der Theorie eine Absicherung stattfinden, bei der ein Verlustgeschäft ausgeschlossen ist. Derivate können nicht nur an der Börse gehandelt werden. Auch Banken spekulieren mit diesem Geschäftsmodell.

Zwei Beispiele

Man kauft ein Derivat auf den Ölpreis und will auf dessen Kurs spekulieren. Angenommen eine Maßeinheit Öl kostet an der Börse 100€ und das Derivat wurde für 10€ erworben und bildet den Ölpreis 1:1 ab. Steigt der Preis des Öls von 100€ auf 110€, so steigt das Derivat auf 11€. Ein Derivat könnte aber auch den Ölpreis nicht 1:1, sondern 1:10 darstellen. In diesem Fall steigt das Derivat zehn Mal schneller als der Basispreis. Das Derivat ist nach dem Anstieg von 100€ auf 110€ jetzt bereits 20€ wert. Genau so schnell könnte das Derivat auch ins Minusgeschäft abrutschen. Man kann also auf den Preis von Öl wetten, ohne jemals Öl wirklich eingekauft zu haben.

Bei einem anderen Beispiel möchte sich ein Weizenbauer gegen die Kursschwankungen des Weizenpreises für die Zukunft absichern. Er handelt neun Monate vor der Ernte ein Derivat mit einer Keksfabrik aus, welches ihm das Recht zusichert, eine Tonne Weizen für 200€ an die Fabrik zu verkaufen. Die Keksfabrik auf der anderen Seite sichert sich mit diesem Derivat gegen steigende Kurse ab. Beide Parteien haben also neun Monate vor dem Verkauf eine Preissicherheit abgeschlossen. Fällt der Weizenpreis auf 140€ pro Tonne, so hat der Bauer ein gutes Geschäft gemacht. Steigt der Preis auf 220€ pro Tonne, kauft wiederum die Fabrik den Weizen sehr günstig ein.

Es gibt allerdings auch Optionen, die so abgeschlossen werden können, dass der Bauer bei einem Anstieg des Weizenpreises aus dem Derivat aussteigen und sein Produkt an der Börse handeln kann. Für diese Option müsste er eine Provision an die Keksfabrik zahlen.